„Wo sind die Fuhrleute?“ fragte der Großvater und machte ein Zeichen auf einer großen Melone, damit sie ihm die Buben nicht gelegentlich wegäßen.
Und in der Tat, auf der Landstraße kamen so an die sechs Wagen dahergezogen. Vorn schritt ein Fuhrmann mit einem angegrauten Schnurrbart. Er kam uns — nun, wie soll ich sagen, — so etwa bis auf zehn Schritte nah’ und blieb dann stehen.
„Guten Tag, Maxim! Sieh nur, wo Gott uns wieder zusammengeführt hat!“
Der Großvater kniff die Augen zusammen: „Ah! Guten Tag! Guten Tag! Woher des Wegs? Ist Boljatschka auch da? Grüß Gott, Bruder! Was Teufel! Da sind ja alle miteinander: Krutotrystschenko! Und Petzcherytzja, Kowelek und Stetzko! Grüß euch Gott! Haha, hoho! ...“ Und alle umarmten und küßten sich.
Die Ochsen wurden ausgespannt und auf die Wiese getrieben, die Wagen aber blieben auf der Landstraße stehen; alle setzten sich in einen Kreis zusammen und steckten sich ihre Pfeifchen an. Aber da kam keiner recht zum Rauchen! Vor lauter Erzählen und Klatschen kam kaum ein Zug auf jeden. Nach dem Essen begann der Großvater, die Gäste mit Melonen zu bewirten. Jeder nahm eine Melone und putzte sie hübsch mit dem Messerchen ab (das waren alles gerissene Kerle, die waren weit in der Welt herumgekommen, und hatten mancherlei erfahren, daher wußten sie auch, wie man in der vornehmen Welt ißt — man hätte sie geradezu an einen herrschaftlichen Tisch setzen können), sie putzten die Melonen also hübsch ab, bohrten mit dem Finger ein Löchelchen in sie hinein, sogen den Saft raus, zerschnitten sie in Stücke und schoben sie in den Mund.
„Und ihr, Jungens!“ rief der Großvater uns zu, „was haltet ihr Maulaffen feil? Tanzt doch los, ihr Hundesöhne! Ostap, wo ist deine Schalmei? Nun also, einen Kosakentanz! Foma, die Hände auf die Hüften! Recht so! hei, hopp!“
Ich war damals noch ein beweglicher Bursche. Ach ja, dieses verdammte Alter! Jetzt kann ich’s nicht mehr so: anstatt zierliche Sprünge zu machen, stolpere ich über meine eigenen Beine. Lang schauten der Großvater und die Fuhrleute uns zu, und ich merkte, daß seine Beine nicht mehr ruhig bleiben wollten, gleich als ob jemand an ihnen zupfte.
„Schau, Foma!“ sagte Ostap, „der alte Knaster tritt wohl selbst noch zum Tanze an!“
Was glaubt ihr? Kaum hatte er das gesagt, da konnte das Großväterchen wirklich nicht mehr an sich halten! Der wollte den Fuhrleuten nämlich zeigen, was er konnte. „Was, ihr Teufelskinder? tanzt man denn so? So tanzt man!“ rief er, sprang auf die Beine, streckte die Arme vor und stampfte mit dem Hacken auf.
Und in der Tat, man konnte nichts dawider sagen, er tanzte wahrhaftig so gut, daß er auch mit der Hetmansfrau hätte tanzen können. Wir traten ein wenig zur Seite, und nun begann der alte Knasterbart seine Beine auf dem glatten Plätzchen, das sich neben dem Gurkenbeet befand, in die Luft zu werfen. Kaum war er jedoch bis in die Mitte des Platzes gelangt — und wollte nun erst richtig losgehen, wie ein Wirbel mit den Füßen dahinfahren und uns ein besonderes Kunststückchen zeigen — da wollten die Beine plötzlich nicht vom Fleck und aus war es! War das ein sonderbarer Teufelsspuk! Er fing noch einmal an, gab sich einen Schwung, kam wieder bis zur Mitte, aber wieder ging es nicht weiter! Tu einer, was er will — es ging und ging nicht! Die Beine waren plötzlich so steif wie ein Stück Holz. „So eine verteufelte Stelle, so ein Satansspuk! Da ist wohl gar der Herodes, dieser Feind des Menschengeschlechts mit im Spiel!“ Und nun gar noch diese Schmach vor den fremden Lastführern! Er fing aber wiederum an, und begann von neuem mit ganz kleinen Schritten im Takt herumzuhüpfen, daß es nur so eine Freude war, es mit anzusehen; aber wie er bis zur Mitte kam, ging’s wieder nicht weiter, und der Tanz wollte ihm durchaus nicht gelingen! „Ah, verdammter Satan! Daß du doch an einer faulen Melone erstickest! Als Kind schon sollst du krepieren, du Hundesohn! Mir in meinen alten Tagen noch eine solche Schmach anzutun ....“ Und in der Tat, hinter ihm lachte jemand laut auf.