„Einst wurde — ob er nun etwas verschuldet hatte oder nicht, das weiß ich bei Gott nicht — ein Teufel aus der Hölle gejagt .....“
„Wieso denn, Gevatter?“ unterbrach ihn Tscherewik. „Wie ist das bloß möglich, daß ein Teufel aus der Hölle gejagt wird?“
„Was kann man da machen, Gevatter! Man jagt ihn heraus und fertig! — wie ein Bauer seinen Hund aus der Stube jagt. Vielleicht hatte ihn die Lust überkommen, eine gute Tat zu tun: nun, da hat man ihn eben hinausgeworfen. Da ward dem armen Teufel so bang zumute, und er begann sich so nach der Hölle zu sehnen, daß er sich am liebsten aufgehängt hätte. Was war zu machen? Vor Kummer warf er sich aufs Saufen, er nistete sich in der verfallenen Scheune ein, die du dort am Berge gesehen hast, und an der jetzt kein guter Mensch vorübergeht, ohne vorher das Zeichen des heiligen Kreuzes zu machen, und der Teufel wurde zu so einem Säufer, wie man ihn selbst unter den Burschen kaum finden kann: vom frühen Morgen bis zum späten Abend saß er nur immer in der Schenke ......“
Hier unterbrach der gestrenge Tscherewik wiederum unseren Erzähler:
„Gott, was du da redest, Gevatter! Wie ist denn das möglich, daß jemand den Teufel in die Schenke hineinläßt? Er hat doch, Gott sei gelobt, Krallen an den Tatzen und Hörner auf dem Kopf.“
„Das ist’s ja eben! er hatte eine Mütze aufgesetzt und Däumlinge angezogen. Wie sollte man ihn da wohl erkennen? Er fing an, ein lustiges Leben zu führen und endlich kam es so weit, daß er alles versoffen hatte, was er bei sich trug. Der Schankwirt gab ihm längere Zeit Kredit, aber endlich hörte er damit auf. Da war der Teufel gezwungen, seinen roten Kittel fast für ein Drittel des Wertes bei dem Juden zu versetzen, der damals auf dem Jahrmarkt zu Sorotschintzy den Schnapsausschank in Besitz hatte. Er versetzte ihn also und sprach: „Gib acht, Jude, genau nach einem Jahre hole ich mir den Kittel wieder, heb ihn wohl auf!“ — und weg war er, wie in die Erde gesunken. Der Jude sah sich den Kittel genau an: solches Tuch war in Mirgorod nicht zu bekommen, und die rote Farbe brannte wie Feuer, daß man sich an ihr gar nicht satt sehen konnte. Nun wurde es dem Juden aber zu viel, den Termin abzuwarten. Er kratzte sich die Schläfenlöckchen, und nahm einem zugereisten Pan ganze fünf Dukaten für den Kittel ab! denn den Termin hatte der Jude schon längst vergessen. Einmal, so gegen Abend, kam da ein Mensch angerückt: „Nun Jude, gib mir meinen Kittel!“ Der Jude erkannte ihn zuerst nicht, aber dann tat er so, als ob er ihn nie gesehen hätte: „Was für einen Kittel? Ich weiß von keinem Kittel!“ Jener ging seiner Wege, aber gegen Abend, als der Jude, der seine Bude schon geschlossen und das Geld in den Kästen gezählt hatte, ein Bettuch umnahm und nach Judenart zu Gott zu beten anfing, — da hörte er ein Geräusch .... Sieh da — aus allen Fenstern gucken Schweineschnauzen herein .....“
Hier wurde tatsächlich ein undeutlicher Laut hörbar, der dem Grunzen eines Schweines sehr ähnlich war; alle erbleichten ... Der Schweiß trat dem Erzähler auf die Stirn.
„Was gibt’s!“ fragte Tscherewik ganz erschrocken.
„Es ist nichts!“ .... antwortete der Gevatter, der am ganzen Leibe zitterte.