„Großartig! Vater und Tochter feiern hier selber Hochzeit! Kommt! kommt! der Bräutigam ist da!“

Bei den letzten Worten glühte Paraßka in einem Rot auf, das tiefer war als das, welches das leuchtende Band auf ihrem Kopfe färbte. Dem sorglosen Vater fiel es erst jetzt ein, warum er eigentlich hierher gekommen war.

„Töchterchen, komm schnell! Chiwrja ist vor Freude, daß ich die Stute verkauft habe, fortgelaufen, um sich feine Tücher und allerhand Schmucksachen zu kaufen!“ sprach er und sah sich dabei ängstlich nach allen Seiten um. „Bis zu ihrer Rückkehr wollen wir alles erledigt haben!“

Kaum hatte Paraßka die Schwelle des Hauses überschritten, da fühlte sie sich schon in den Armen des Burschen im weißen Kittel, der sie inmitten einer Menge von Leuten auf der Straße erwartete.

„Gott segne euch!“ sagte Tscherewik, ihre Hände vereinend. „In Glück und Glanz haltet fest wie ein Kranz!“

Da gab’s plötzlich einen Lärm.

„Eher will ich zerspringen, als daß ich das zulasse!“ schrie Tscherewiks Ehehälfte, die von der lachenden Menge zurückgedrängt wurde.

„Wüt nicht so, wüte doch nicht!“ sprach Tscherewik kaltblütig, als er sah, wie ein paar handfeste Zigeuner sich ihrer Arme bemächtigten. „Geschehen ist geschehen! Ich bin nicht für Änderungen!“

„Nein, nein, das darf nicht sein!“ schrie Chiwrja, aber niemand hörte auf sie; ein paar lustige Leute umringten das junge Paar und bildeten eine undurchdringliche, tanzende Mauer um sie.

Ein sonderbares unsagbares Gefühl mußte einen Zuschauer ergreifen, der mit ansah, wie beim ersten Bogenstrich des Fiedelmanns in dem groben Rock, mit dem langgeschweiften Schnurrbart, alles unwillkürlich ein einiges Ganzes bildete und zu friedlicher Eintracht überging. Leute, deren mürrische Gesichter offenbar ihr Lebtag niemals ein Lächeln erhellt hatte, stampften mit den Füßen und warfen die Schultern empor. Alles wirbelte im Tanze durcheinander. Aber ein noch sonderbareres, noch unsagbareres Gefühl mußte in der Tiefe der Seele beim Anblick jener Greisinnen erwachen, über deren uralten Gesichtern schon die Gleichgültigkeit des Grabes wehte — und die sich unter die neuen Menschen drängten, die dem Leben angehörten und dem Lachen. Die Sorglosen! Selbst sie, die keine kindliche Freude und keinen Funken des Mitgefühls kannten, die erst der Rausch, wie ein Mechaniker seine leblosen Automaten, zu einer menschlichen Äußerung zwingt, — selbst sie nickten leise mit den berauschten Köpfen und hüpften ein wenig hinter der lustigen Menge her, ohne auf das junge Paar zu achten.