Nun haben wir schon fast alles Notwendige vom Amtmann erzählt, und der betrunkene Kalenik hat noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt. Noch lange traktierte er den Amtmann mit den ausgesuchtesten Worten, die ihm auf seine faule und zusammenhangloses Zeug lallende Zunge kamen.

III.
Ein unerwarteter Nebenbuhler
Die Verschwörung

„Nein, Burschen, nein! Ich will nicht! Was soll diese Ausgelassenheit? Wie, wird euch das Tollen nicht zuwider? Wir gelten ohnehin schon für Gott weiß was für Raufbolde. Geht lieber schlafen!“ So sprach Lewko zu seinen fröhlichen Kumpanen, die ihn zu neuen Streichen überreden wollten. „Lebt wohl, Brüder! Gute Nacht!“ Und schnellen Schrittes eilte er davon.

„Schläft meine helläugige Hanna?“ dachte er, als er an das uns schon bekannte, von Kirschbäumen umstandene Häuschen trat. Mitten in der Stille vernahm er ein leises Gespräch. Lewko blieb stehen. Durch die Bäume schimmerte ein weißes Frauengewand .... „Was soll das?“ dachte er, schlich näher heran und versteckte sich hinter einem Baum. Der Mondschein erhellte das Gesicht des vor ihm stehenden Mädchens.

„Hanna?“ Aber wer war der hochgewachsene Mann, der mit dem Rücken zu ihm stand? Vergeblich blickte er nach ihm hin: Der war vom Kopfe bis zu den Füßen in Schatten gehüllt. Nur von vorn fiel etwas Licht auf ihn, aber schon der kleinste und leiseste Schritt setzte Lewko der Unannehmlichkeit aus, entdeckt zu werden. Still an einen Baum gelehnt, blieb er stehen. Das Mädchen hatte ganz deutlich seinen Namen ausgesprochen.

„Lewko? Lewko ist noch ein Milchbart!“ rief der große Mann. „Wenn ich ihn bei dir treffe, reiße ich ihm den Schopf aus ....“

„Ich möchte wohl wissen, welcher Lump damit prahlt, er werde mir meinen Schopf ausreißen!“ sagte sich Lewko still und reckte den Hals empor, um ja kein Wort zu verlieren. Aber der Unbekannte fuhr so leise fort, daß man nichts mehr hören konnte.

„Schämst du dich denn gar nicht!“ sprach Hanna, als er zu Ende geredet hatte. „Du lügst, du willst mich betrügen. Du liebst mich nicht, ich werde dir nie glauben, daß du mich liebst!“

„Ich weiß,“ erwiderte der große Mann, „Lewko hat dir viel unsinniges Zeug vorgeschwatzt und dir den Kopf verdreht!“ (Hier kam es dem Burschen so vor, als sei die Stimme des Unbekannten ihm nicht ganz fremd, und als habe er sie schon einmal gehört.) „Aber ich werd’ es dem Lewko schon zeigen!“ fuhr der Unbekannte fort. „Er glaubt, ich sehe alle seine Streiche nicht, er soll meine Fäuste schon zu kosten bekommen, der Hundesohn!“

Bei diesen Worten konnte Lewko seinen Zorn nicht länger unterdrücken. Er schlich bis auf drei Schritte an ihn heran und holte aus aller Kraft aus, um ihm einen Hieb zu versetzen, dem der Unbekannte trotz seiner offenbaren Stämmigkeit vielleicht nicht standgehalten hätte; aber in diesem Augenblicke fiel das Licht auf des Unbekannten Antlitz, und Lewko erstarrte — er sah seinen eigenen Vater vor sich. Nur ein unwillkürliches Kopfschütteln und ein leises Pfeifen durch die Zähne verrieten seine Verblüffung. Dann vernahm man ein feines Rascheln, Hanna floh eiligst ins Haus und schlug die Tür hinter sich zu.