„Ja, meiner Schwiegermutter! Eines Abends, es war ein bißchen früher als heute, setzten sie sich zum Abendessen hin: meine verstorbenen Schwiegereltern, der Knecht, die Magd und fünf Kinder. Die Schwiegermutter schüttete ein paar Knödel aus dem großen Kessel in die Schüssel, damit sie ein wenig abkühlten, denn nach der Arbeit waren alle hungrig und wollten nicht warten, bis die Knödel kalt waren. Sie steckten ihre langen Holzstäbe hinein und begannen zu essen. Auf einmal taucht da ein Mann auf und bittet, ihn auch mitessen zu lassen; wer das war, mag Gott wissen. Nun, soll man etwa einem hungrigen Menschen nicht zu essen geben? Man reicht ihm also auch ein Stäbchen. Aber der Gast räumt mit den Knödeln auf wie die Kuh mit dem Heu. Bis jene einen Knödel gegessen und den Stab nach einem zweiten ausgestreckt hatten, war der Boden der Schüssel schon so glatt wie die Diele eines Herrenhauses. Die Schwiegermutter tat noch Klöße hinein; denn sie dachte, nun hat der Gast sich satt gegessen und wird nicht mehr so stark zugreifen. Aber ganz im Gegenteil: er schlang und schlang noch immer gewaltiger, und leerte auch die zweite Schüssel. „Daß du an den Knödeln ersticktest!“ dachte die hungrige Schwiegermutter; aber da drehte sich jener auf einmal um und sank zu Boden. Man stürzte zu ihm hin — aber sein Geist war schon entflohen. Er war erstickt!“

„Geschah ihm ganz recht, dem verdammten Freßsack!“ sagte der Amtmann.

„Schon recht, aber es kam ganz anders: Seit jener Zeit hatte die Schwiegermutter keine Ruhe mehr. Kaum wird’s Nacht, sofort kommt der Tote angerückt. Sitzt rücklings auf dem Schornstein, der Verdammte, und hält einen Knödel zwischen den Zähnen. Am Tage ist alles ruhig, er läßt weder etwas von sich sehen noch hören; kaum aber dämmert es, so braucht man nur auf’s Dach zu blicken und schon reitet der Hundesohn da oben auf dem Schornstein!“

„Mit einem Knödel zwischen den Zähnen?“

„Ja mit einem Knödel zwischen den Zähnen!“

„Wie wunderlich, Gevatter! Ich habe ja auch so was Ähnliches von meiner Seligen gehört ....“

Da aber hielt der Amtmann inne. Vor dem Fenster wurde Geräusch, ein Stampfen und Tanzen laut vernehmbar. Zuerst hörte man die Harfensaiten leise klimpern und dann fiel eine Stimme ein. Die Saiten erklangen stärker, mehrere Stimmen fielen ein — und wie ein Wirbel ertönte rauschend das Lied:

Burschen, habt ihr schon vernommen?

Sind wir wirklich solche Narren?

Unser Amtmann hat bekommen