Bleib nur lieber fein zu Haus!

Denk’ mal: wenn sie dich verbläuten

Und den Schopf dir rissen aus! ....

„Ein ausgezeichnetes Lied, Gevatter!“ sagte der Branntweinbrenner, indem er den Kopf etwas auf die Seite neigte und sich an den Amtmann wandte, der bei dieser Frechheit ganz starr vor Staunen geworden war. „Ausgezeichnet! ’s ist nur schade, daß man in nicht ganz anständigen Worten vom Amtmann spricht ...“

Und wieder stützte er mit einer süßlichen Rührung in den Augen die Arme auf den Tisch und bereitete sich vor, weiter zuzuhören, denn vor dem Fenster erdröhnte ein Gelächter, und man vernahm den Ruf: „Noch einmal, noch einmal!“ Ein scharfes Auge hätte jedoch sofort bemerkt, daß nicht das Staunen allein den Amtmann so lange auf einem Fleck festhielt. So läßt oft ein alter erfahrener Kater die junge unerfahrene kleine Maus rings um seinen Schwanz herumlaufen, während er Pläne schmiedet, wie er ihr am besten den Rückzug in ihr Mauseloch abschneiden kann. Noch war das einsame Auge des Amtmanns auf das Fenster gerichtet, aber schon lag seine Hand, die dem Büttel ein Zeichen gegeben hatte, am Holzgriff der Tür; auf einmal erhob sich auf der Straße ein lautes Geschrei ..... Der Branntweinbrenner, zu dessen zahlreichen Vorzügen auch eine gewisse Neugierde gehörte, stopfte rasch den Tabak wieder in seine Pfeife und lief auf die Straße hinaus. Aber die Taugenichtse waren schon auseinandergestoben.

„Nein, du wirst mir nicht entwischen!“ schrie der Amtmann und zerrte einen Menschen in einem schwarzen Schafspelz hinter sich her, dessen Fell nach außen gekehrt war. Der Branntweinbrenner benutzte die Zeit und eilte herzu, um dem Friedensstörer ins Gesicht zu schauen; aber er wich angstvoll zurück, als er einen langen Bart und eine schreckhaft ausgemalte Fratze erblickte. „Nein, du wirst mir nicht entwischen!“ schrie der Amtmann und schleppte seinen Gefangenen in den Flur; ruhig und ohne den geringsten Widerstand zu leisten, folgte ihm der Gefangene, als ob’s sein eignes Haus wäre. „Karpo, mach’ die Kammer auf!“ rief der Amtmann dem Büttel zu. „Wir sperren ihn in die dunkle Kammer! Dann wecken wir den Schreiber, holen die Büttel herbei, fangen all diese Raufbolde ein und urteilen sie heute noch ab!“

Der Büttel klapperte im Flur am Hängeschloß und öffnete die Kammer. In diesem Augenblick machte sich der Gefangene die Dunkelheit im Flur zunutze und riß sich plötzlich mit ungewöhnlicher Kraft aus den Händen, die ihn hielten.

„Wohin?“ rief der Amtmann und packte ihn noch fester am Kragen.

„Laß los, ich bin’s ja!“ hörte man ein dünnes Stimmchen rufen.

„Das nützt dir nichts, das nützt dir gar nichts, Brüderchen! Quiek du nur wie ein Weib oder wie ein Teufel! Mich wirst du nicht übertölpeln!“ Und der Amtmann stieß ihn in die dunkle Kammer, so daß der arme Gefangene aufstöhnend zu Boden fiel. Er selbst begab sich in Begleitung des Büttels ins Haus des Schreibers, und hinter ihnen kam der Branntweinbrenner wie ein Dampfschiff dahergeraucht.