Sie streckte ihm ihr weißes Händchen hin, ihr Antlitz leuchtete wundersam und erstrahlte .... Mit einem nie geahnten Schauer und sehnsüchtigen Pochen des Herzens griff er nach dem Briefchen und .... erwachte.
VI.
Erwachen
„Hab’ ich wirklich geschlafen?“ sprach Lewko zu sich selbst, als er sich von der kleinen Böschung erhob. „Alles war doch so lebendig wie in Wirklichkeit“ .... „Seltsam, seltsam!“ wiederholte er, indem er sich umsah. Der Mond stand gerade über seinem Kopfe und wies auf Mitternacht. Alles war still; vom Teich wehte es kühl her; über ihm stand traurig das verfallene Haus mit den geschlossenen Läden; Moos und wildes Steppengras ließen erkennen, daß sich die Menschen schon lange von ihm getrennt hatten. Lewko öffnete seine Hand, die er während des Schlafes krampfhaft geballt hatte, und stieß einen Schrei der Verwunderung aus; er hatte einen Zettel in ihr entdeckt. „Ach, wenn ich doch lesen könnte!“ dachte er, indem er ihn vor seinen Augen hin und her wandte. In diesem Augenblick vernahm er hinter sich ein Geräusch.
„Fürchtet nichts! Packt ihn nur! Vor wem habt ihr Angst? Wir sind ja zu zehn! Ich will darauf wetten, das ist ein Mensch und kein Teufel! ....“
Es war der Amtmann, der diese Worte seinen Begleitern zuschrie, und Lewko fühlte sich von mehreren Händen gepackt, von denen einige vor Furcht zitterten. „Nun Freundchen, wirf mal endlich deine schreckliche Maske ab, du hast die Leute schon genug in die Irre geführt!“ rief der Amtmann und packte ihn am Kragen. Aber da glotzte er ihn voller Schreck mit seinem einzigen Auge an: „Lewko, mein Sohn!“ schrie er zurückweichend, und ließ vor Staunen die Hände herabsinken. „Du bist’s? Du Hundesohn! So eine Ausgeburt der Hölle! Ich denke: was für ein Schelm, was für ein verkleideter Teufel treibt da sein Unwesen? Und nun stellt sich heraus, daß du es bist. — Der ungekochte Mehlbrei soll deinem Vater im Halse stecken bleiben! — Du treibst böse Streiche auf den Straßen, du dichtest Lieder ....! Oho, Lewko! Was soll das? Dich juckt wohl der Rücken? Bindet ihn!“
„Halt Vater! Ich hab’ dir einen Zettel zu geben!“ sagte da Lewko.
„Jetzt ist keine Zeit für Zettel, mein Täubchen! Bindet ihn!“
„Halt ein, Herr Amtmann!“ sagte der Schreiber und entfaltete den Zettel. „Das ist ja die Handschrift des Kommissärs!“
„Des Kommissärs?“
„Des Kommissärs?“ wiederholten die Büttel mechanisch.