Aber das frische, lebhafte, kindlich jugendliche Gesicht im Spiegel, mit den strahlenden schwarzen Augen und dem unsagbar anmutigen Lächeln, das die Seele erglühen machte, bewies das Gegenteil.

„Sind denn meine schwarzen Brauen und meine Augen in der Tat so schön?“ fuhr sie fort, ohne den Spiegel aus der Hand zu legen, „daß sie nicht ihresgleichen in der Welt haben? Was ist nur Schönes an dieser Stumpfnase? an meinen Wangen? an meinen Lippen? Meine schwarzen Zöpfe sollen schön sein? O jeh, am Abend können sie einem Menschen einen ordentlichen Schreck einjagen: wie lange Schlangen winden und schlingen sie sich um meinen Kopf. Ich sehe jetzt, daß ich gar nicht schön bin!“ Und sie rückte den Spiegel etwas von sich fort und rief: „Nein, ich bin doch schön! Ach, wie ich schön bin! Wundervoll! Welch eine Freude werde ich einst dem bereiten, dessen Frau ich werde. Wie wird mein Gemahl entzückt von mir sein! Er wird außer sich sein vor Freude. Er wird mich zu Tode küssen!“

„Wunderbares Mädchen!“ flüsterte der Schmied, der leise eingetreten war. „Aber sie ist nicht wenig eitel! Schon eine Stunde lang steht sie da, besieht sich im Spiegel und kann sich nicht satt sehen an sich selbst, und dazu lobt sie sich noch ganz laut!“

„Ja, ihr Burschen, ich bin nicht euersgleichen, seht mich an,“ fuhr die reizende Kokette fort. „Wie ist mein Gang so geschmeidig. Mein Hemd ist mit roter Seide genäht. Und was für Bänder ich auf dem Kopf habe! Euer Lebtag werdet ihr nicht mehr solche Goldborden sehen! All das hat mit mein Vater gekauft, damit mich der schönste Bursch der Welt zur Frau nimmt.“ Sie lächelte, wandte sich um und erblickte den Schmied ....

Sie schrie auf und blieb mit strenger Miene vor ihm stehen.

Der Schmied ließ die Hände herabsinken.

Es wäre schwer zu sagen, was das braune Gesicht des wundervollen Mädchens ausdrückte: ein strenger Ausdruck spiegelte sich in ihm und durch die Strenge hindurch blickte ein gewisser Hohn über den verblüfften Schmied, und eine kaum merkliche Röte, die ihr der Ärger ins Gesicht getrieben hatte; all das zusammen war so unbeschreiblich schön, daß das Beste, was man hier hätte tun können, dies gewesen wäre: — sie eine Million Mal abzuküssen.

„Wie bist du hierhergekommen?“ begann Oxana. „Willst du denn, daß ich dich mit der Schippe davonjage? Ihr versteht euch meisterhaft darauf, euch an uns heranzumachen. Im Nu schnüffelt ihr aus, wann die Väter aus dem Hause sind. O, ich kenne euch schon! Nun, ist meine Truhe fertig?“

„Sie ist bald fertig, mein Herzchen; nach den Feiertagen wird sie fertig. Wenn du wüßtest, wieviel Mühe ich mir gegeben habe: zwei Nächte lang habe ich die Schmiede nicht verlassen. Dafür soll aber auch keine Popentochter so eine Truhe haben. Ich habe Eisenbeschläge darauf getan, wie ich sie nicht einmal für den Wagen des Hauptmanns nahm, als ich noch in Poltawa auf Arbeit war. Aber wie wird sie erst bemalt sein! Und wenn du die ganze Umgegend mit deinen weißen Füßchen abläufst, du findest solch eine Truhe nicht mehr! Über den ganzen Grund werden rote und blaue Blumen verstreut sein, und es wird so leuchten wie Feuer. Zürne mir nicht! Erlaube mir wenigstens, zu dir zu reden und dich nur anzuschauen!“

„Wer verbietet dir das? Rede und schau!“