„Wirklich sonderbar! Gib mir mal eine Prise! Du hast einen vortrefflichen Tabak, Gevatter! Wo hast du ihn her?“

„Vortrefflich? Ei, da soll mich doch der und jener —“ antwortete der Gevatter, indem er seine Dose aus Baumrinde mit den eingeritzten Mustern zuklappte. „Nicht einmal ein altes Huhn würde bei diesem Tabak niesen!“

„Ich erinnere mich,“ fuhr Tschub in demselben Tone fort, „der verstorbene Schankwirt Susulja hatte mir einmal etwas Tabak aus Njeschin mitgebracht. O, war das ein Tabak! Also, Gevatter, was machen wir nun? Es ist ja mächtig dunkel.“

„So bleiben wir meinetwegen zu Hause!“ rief der Gevatter und griff schon nach der Türklinke.

Hätte der Gevatter das nicht gesagt, so hätte Tschub sich wohl entschlossen, zu Hause zu bleiben; jetzt aber schien ihn geradezu etwas zum Widerspruch zu reizen. „Nein, Gevatter, wir wollen gehen! Unmöglich! Wir müssen gehen!“

Kaum hatte er das gesagt, so ärgerte er sich schon über seine eigenen Worte. Es war ihm höchst unangenehm, sich in solcher Nacht herumtreiben zu müssen, aber der Gedanke tröstete ihn, daß er es selbst so gewollt, und daß er wider den Ratschlag eines anderen gehandelt hatte.

Der Gevatter ließ auch nicht die leiseste Regung von Verdrießlichkeit auf seinem Gesichte erkennen. Er war ein Mann, dem es durchaus gleich war, ob er zu Hause saß, oder ob er sich draußen umhertrieb. Er sah sich nur noch einmal um, kratzte sich mit dem Stiel der Knute die Achseln — und die beiden Gevattern machten sich auf den Weg.


Doch sehen wir nun zu, was seine schöne Tochter trieb, die allein zu Hause geblieben war. Oxana war noch nicht ganz siebzehn Jahre alt, als man schon beinah in der ganzen Welt, sowohl diesseits wie jenseits von Dikanka, von nichts anderem sprach als von ihr. Die Burschen erklärten einstimmig, ein herrlicheres Mädchen gäbe es im ganzen Dorfe nicht, habe es noch nie gegeben und werde es auch niemals geben. Oxana hörte und wußte alles, was über sie geredet wurde, und sie war so eingebildet, wie ein schönes Mädchen es eben ist. Hätte sie nicht ein Kopftuch und die Jacke einer Bäuerin getragen, sondern ein Stadtkleid, so hätte sie sicher alle Mädchen in den Schatten gestellt. Die Burschen liefen ihr scharenweise nach; aber sie verloren allmählich die Geduld, verließen nach und nach die eigensinnige Schöne und wendeten sich anderen, weniger verwöhnten Werbern zu. Nur der Schmied blieb hartnäckig und hörte nicht auf, sie zu umwerben, obwohl er keineswegs besser behandelt wurde als die anderen. Sobald nun der Vater fortgegangen war, putzte und schmückte sich Oxana noch lange vor dem kleinen Spiegel im Bleirahmen. Sie konnte sich nicht satt sehen an ihrer Schönheit.

„Was fällt den Leuten nur ein, mich zu rühmen, ich sei schön?“ sprach sie mit zerstreuter Miene, nur um einen Vorwand zu haben, mit sich selbst zu plaudern. „Die Leute lügen, ich bin gar nicht schön!“