Die Besenreiterin schob leise das Ofentürchen auf, um zu sehen, ob ihr Sohn Wakula nicht die Stube voller Gäste geladen hatte; als sie aber sah, daß niemand da war außer etwa ein paar Säcke, die in der Stube umher lagen, so kroch sie aus dem Ofen, warf den warmen Pelz ab, ordnete ihre Kleidung, und niemand hätte ihr mehr ansehen können, daß sie noch vor einer Minute auf einem Besenstiel geritten war.

Die Mutter des Schmieds Wakula war nicht mehr als vierzig Jahre alt und war weder schön noch häßlich. Es ist ja auch ziemlich schwer, in diesen Jahren schön zu sein. Sie verstand es aber, selbst die gesetztesten und würdigsten Kosaken an sich zu fesseln (denen es, nebenbei bemerkt, auch wenig um die Schönheit zu tun war), so daß sie ebensowohl der Amtmann, wie der Küster Ossip Nikiforowitsch (natürlich, wenn die Frau Küsterin nicht zu Hause war), der Kosak Korni Tschub und der Kosak Kassjan Swerbygus aufzusuchen pflegten. Zu ihrer Ehre muß übrigens gesagt werden, daß sie es vorzüglich verstand, mit ihnen umzugehen: keinem einzigen von ihnen kam es auch nur von ferne in den Sinn, er könne einen Nebenbuhler haben. Ging ein frommer Bauer oder ein „Edelmann“, wie die Kosaken sich selbst zu nennen pflegen, am Sonntag in seinem Mantel mit der Kapuze zur Kirche, oder — wenn das Wetter schlecht war — ins Wirtshaus, so ließ er sich’s nicht nehmen, bei der Solocha vorzusprechen, um ein paar fette Käsekrapfen mit Rahm zu essen und ein Weilchen mit der gesprächigen und gefälligen Hausfrau in der warmen Stube zu schwatzen. Der Edelmann machte eigens zu diesem Zweck einen großen Umweg, bevor er im Wirtshaus anlangte — und nannte das „unterwegs mal vorsprechen“. Oder ging die Solocha einmal an einem Festtag, in ihrem grellen Kopftuch und ihrem Nankingkittel und dem blauen Rock darüber, der hinten mit goldenen Bändern benäht war, zur Kirche, und stellte sie sich gerade neben dem rechten Chor auf, so fing der Küster sicherlich an zu hüsteln und blinzelte unwillkürlich nach jener Seite hinüber; der Amtmann aber strich sich den Schnurrbart, wickelte sich seine Kosakenlocke ums Ohr und sprach zu dem neben ihm stehenden Nachbar, „Ei, ei, das ist mir ein Weibsbild! Ein ganz verteufeltes Weib!“ Die Solocha pflegte denn auch jeden Menschen zu grüßen, und jeder glaubte, sie grüße ihn allein.

Aber wer es liebte, sich in fremde Angelegenheiten zu mischen, der konnte sofort merken, daß die Solocha am freundlichsten gegen den Kosaken Tschub war. Tschub war Witwer. Vor seinem Hause standen stets acht Schober Getreide, zwei Paar mächtige Ochsen streckten beständig ihre Köpfe durch das Geflecht des Schuppens auf die Straße hinaus und brüllten jedesmal, wenn sie eine Muhme oder einen Ohm, das heißt eine Kuh oder einen dicken Bullen kommen sahen. Ein bärtiger Bock kletterte hoch auf das Dach hinauf und meckerte mit einer gerad so schrillen Stimme von dort herab wie der Bürgermeister, um die auf dem Hofe umher stolzierenden Truthähne zu reizen, oder er kehrte seinen Hintern hervor, wenn er seine Feinde, die Dorfjungen, erblickte, die sich über seinen Bart lustig zu machen pflegten. In Tschubs Truhen lagen viele Ellen Leinwand, teure Schupans und altertümliche Röcke mit Goldborden: seine verstorbene Frau war nämlich sehr putzsüchtig gewesen. In seinem Gemüsegarten gab es außer Mohn, Kohl und Sonnenblumen auch noch zwei Beete mit Tabak. Von all dem, meinte die Solocha, wäre es ganz nett, wenn es ihrer eigenen Wirtschaft einverleibt würde; sie rechnete schon im voraus damit, welche Ordnung sie einführen wollte, wenn all das in ihre Hände gelangen würde, und daher verdoppelte sie ihr Wohlwollen gegen den alten Tschub. Damit aber ihr Sohn Wakula sich nicht an seine Tochter heran machte, alles Hab und Gut selbst einheimste, und ihr dann am Ende nicht mehr erlaubte, sich in irgend etwas einzumischen, so griff sie nach dem üblichen Mittel aller vierzigjährigen Weiber, das heißt, sie säte möglichst viel Fehde zwischen Tschub und dem Schmied. Vielleicht waren gerade diese Ränke und Listen der Grund davon, daß die alten Weiber, besonders wenn sie in fröhlicher Gesellschaft zusammen saßen und etwas über den Durst getrunken hatten, davon munkelten, die Solocha sei wirklich eine Hexe: der Bursche Kisjakolupenko habe hinten bei ihr einen Schwanz gesehen, der ungefähr so lang gewesen sei wie eine Weiberspindel; am verflossenen Donnerstag erst sei sie in Gestalt einer schwarzen Katze über die Straße gelaufen; auch sei einmal eine Sau zur Popenfrau gerannt gekommen, habe wie ein Hahn gekräht, dann sich die Mütze des Vaters Kondrat aufgesetzt und darauf sich wieder davongemacht ....

Der Zufall wollte es, daß gerade zu der Zeit, als die alten Weiber über diese Dinge redeten, ein gewisser Kuhhirt namens Tymisch Korostjawi bei ihnen erschienen war. Er versäumte nicht, zu erzählen, wie er einmal im Sommer, kurz vor Peter und Paul, gerade als er sich im Stall schlafen gelegt und sich ein Bündel Stroh unter den Kopf gebettet hatte, mit eigenen Augen gesehen habe, wie eine Hexe mit aufgelöstem Haar und in bloßem Hemde angefangen habe, die Kuh zu melken; er habe sich nicht vom Fleck rühren können, so behext habe sie ihn, auch habe sie ihm die Lippen mit einem so widerlichen Zeug beschmiert, daß er noch einen ganzen Tag danach immer ausspucken mußte. Doch all das war immerhin zweifelhaft, denn nur der Assessor von Sorotschintzy kann eine Hexe sehen. Und daher wehrten sich alle Kosaken von Ansehen und Würden mit Händen und Füßen dagegen, wenn sie solche Reden mit anhören mußten. „Sie lügen, die hundsföttischen Weiber!“ war gewöhnlich ihre Antwort.

Kaum war die Solocha aus dem Ofen gekrochen und hatte sich ihre Kleider wieder ein wenig in Ordnung gebracht, so begann sie sofort als gute Wirtin die Stube aufzuräumen und alles auf seinen Platz zu stellen. Die Säcke aber rührte sie nicht an. „Die hat Wakula gebracht, mag er sie doch auch selbst wieder hinaustragen!“ Der Teufel aber hatte sich, als er in den Schornstein hineinflog, zufällig umgeschaut, und da hatte er ganz nahe am Hause den Tschub Arm in Arm mit seinem Gevatter erblickt. Im Nu flog er wieder aus dem Ofen, rannte ihnen auf ihrem Wege voran und begann von allen Seiten Haufen hartgefrorenen Schnees aufzuwirbeln. Es erhob sich ein richtiges Schneegestöber, in der Luft flimmerte es nur so weiß durcheinander. Der Schnee wogte hin und her wie ein Netz und drohte, den Fußgängern Augen, Mund und Ohren zu verstopfen. Der Teufel aber flog wieder in den Schornstein hinein, fest davon überzeugt, daß Tschub und der Gevatter umkehren würden; dann würde Tschub den Schmied bei sich im Hause treffen und ihn sicherlich so traktieren, daß der auf lange Zeit nicht mehr imstande sein sollte, einen Pinsel in die Hand zu nehmen und Spottbilder zu malen.


Und in der Tat, kaum hatte sich das Schneegestöber erhoben und kaum fing der Wind an, ihnen gerade ins Gesicht zu fegen, so äußerte Tschub schon Reue. Er schob sich die Mütze tiefer über die Ohren und regalierte alle, sich selbst, den Teufel und den Gevatter mit Schimpfworten. Übrigens war diese Wut nur geheuchelt. Tschub war sehr froh über das Unwetter. Bis zum Hause des Küsters war es ungefähr achtmal so weit, wie die Strecke, die sie schon zurückgelegt hatten. Die Wanderer kehrten also um. Der Wind blies ihnen zwar in den Nacken, aber es war gänzlich unmöglich, in diesem Schneegestöber auch nur das geringste zu sehen.

„Halt, Gevatter! Ich glaube, wir gehen falsch,“ sagte Tschub nach einer kurzen Weile. „Ich sehe keine einzige Hütte. He, ist das ein Schneegestöber! Bieg doch mal etwas zur Seite, Gevatter, vielleicht findest du da einen Weg, unterdessen will ich hier nach ihm suchen. Mußte uns auch der Gottseibeiuns bei solchem Unwetter aus dem Hause locken! Vergiß nur nicht zu rufen, wenn du den Weg gefunden hast. Herrgott, was für einen Haufen Schnee hat mir der Satan in die Augen gejagt!“

Der Weg war jedoch noch immer nicht zu sehen. Der Gevatter schlug einen Seitenweg ein und irrte in seinen langen Stiefeln hin und her, bis er endlich auf das Wirtshaus stieß. Diese Entdeckung freute ihn dermaßen, daß er alles vergaß, den Schnee von sich abschüttelte und ins Wirtshaus trat, ohne sich im Geringsten um seinen Gevatter auf der Straße zu scheren. Unterdessen war es Tschub so vorgekommen, als ob er den richtigen Weg gefunden hätte. Er machte Halt und schrie aus voller Kehle, als er aber sah, daß der Gevatter nicht zum Vorschein kam, beschloß er, den Weg allein fortzusetzen. Etwas weiter erblickte er sein Haus. Vor dem Hause und auf dem Dache lagen ganze Berge von Schnee. Er klatschte in die vor Kälte erstarrten Hände und begann, an die Tür zu klopfen und seiner Tochter gebieterisch zuzurufen, sie solle aufmachen.

Da trat der Schmied aus dem Hause und schrie ihn grob an: „Was willst du?“