„Der Küster?“ krähte die Frau des Küsters, sich in ihrem Hasenpelz, der mit blauem Nanking bezogen war, an die Streitenden herandrängend. „Ich will dir schon zeigen, was es heißt, so vom Küster zu reden! Wer sagt da was vom Küster?“
„Man weiß ja doch, wen der Küster besucht!“ schrie die Frau mit der violetten Nase und zeigte auf die Weberin.
„Du also bist’s, du Hündin“, rief die Frau des Küsters und ging auf die Webersfrau los, „du bist’s, du Hexe, die ihn umnebelt und ihn mit Satanskräutern behext, daß er zu dir kommt?“
„Pack dich fort, du Satan!“ sprach die Webersfrau zurückweichend.
„Sieh mal einer die verdammte Hexe an, du sollst’s nicht mehr erleben, daß du deine Kinder jemals wiedersiehst! Du niederträchtiges Weib! Pfui!“ Und dabei spuckte die Küsterin der Webersfrau gerade in die Augen.
Die Webersfrau wollte dasselbe tun, aber statt dessen spuckte sie dem Amtmann, der näher an die Streitenden herangekommen war, um alles besser zu hören, in seinen unrasierten Bart.
„Ah, du garstiges Weibsbild, du!“ rief der Amtmann, wischte sich mit dem Rockschoß das Gesicht ab und schwenkte seine Knute.
Diese Bewegung veranlaßte alle, schimpfend nach allen Seiten auseinanderzustieben. „So was Ekelhaftes!“ wiederholte der Amtmann und wischte sich wieder ab. „Der Schmied ist also ertrunken! O du meine Güte! Was war das für ein großartiger Maler! Was für starke Messer, Sensen und Pflüge konnte der schmieden! Und wie kräftig der war! Ja, ja,“ fuhr er nachdenklich fort, „bei uns im Dorfe haben wir wenig solche Leute. Ich hab’s ja gleich gemerkt, als ich noch in diesem verfluchten Sacke saß, daß der Aermste ganz bedrückt und traurig war. Ja, da haben wir nun den Schmied! Einst war er, und nun ist er nicht mehr! Ich wollte doch gerade noch meine scheckige Stute beschlagen lassen! ....“ Und solcher christlicher Gedanken voll, trottete der Amtmann langsam seinem Hause zu.
Oxana war ganz bestürzt, als diese Gerüchte zu ihr drangen. Sie traute zwar den Augen der Perepertschicha und dem Weibergetratsch nur wenig, denn sie wußte, daß der Schmied fromm genug war, seine Seele nicht ins Verderben zu stürzen. Wie aber, wenn er in der Tat mit der Absicht davongegangen war, nie wieder ins Dorf zurückzukehren? Schwerlich konnte man wo anders einen so schmucken Burschen finden, wie der Schmied einer war. Und dann liebte er sie doch so sehr! Er ertrug auch ihre Launen länger als alle anderen ... Die Schöne drehte sich die ganze Nacht hindurch unter ihrer Decke von der rechten Seite auf die linke, und von der linken auf die rechte, und konnte doch nicht einschlafen. Bald warf sie sich in ihrer berückenden Nacktheit, die das nächtliche Dunkel sogar vor ihr selbst verbarg, hin und her, und schalt laut auf sich, bald verstummte sie, faßte den Entschluß, an nichts mehr zu denken — und grübelte doch weiter und weiter. Sie lag da wie in lohendem Feuer, und gegen Morgen war sie bis über die Ohren in den Schmied verliebt.
Als Tschub den Tod Wakulas vernahm, ließ er weder Freude noch Trauer erkennen. Seine Gedanken waren nur mit einer Sache beschäftigt: er konnte Solochas Treubruch nicht vergessen, und ließ sogar im Schlafe nicht davon ab, auf sie zu schimpfen.