„Großartig! Eine wundervolle Arbeit!“ sprachen Seine Hochwürden, als sie sich Türen und Fenster ansahen. Die Fenster waren ringsherum mit roter Farbe bestrichen und auf den Türen waren überall Bildnisse von reitenden Kosaken mit Pfeifen in den Zähnen aufgemalt.
Noch mehr aber lobten Seine Hochwürden den Schmied Wakula, als sie erfuhren, daß er eine Kirchenbuße eingehalten, die er sich selbst auferlegt, und in der Kirche den ganzen linken Chor mit grüner Farbe gestrichen und mit roten Blumen bemalt habe.
Das ist jedoch noch nicht alles. An die Wand, die, wenn man die Kirche betritt, sich gleich zur Linken befindet, hatte Wakula einen in der Hölle sitzenden Teufel gemalt und zwar einen so abscheulichen Teufel, daß jedermann, der vorbeiging, ausspeien mußte, und wenn einer Frau das Kind auf dem Arme zu weinen anfing, so trug sie es ans Bild und sprach: „Schau, schau, hu, hu, was da hingemalt ist!“ Und das Kind verschluckte seine Tränen, schielte scheu nach dem Bilde und schmiegte sich enger an die Brust der Mutter.
Schreckliche Rache
I.
Dröhnend braust’s dahin durch Kijews Vorstadt: Da feiert Gorobetz, der Kosakenhauptmann, den sie Jessaul nennen, die Hochzeit seines Sohnes. Viel Leute sind beim Jessaul zu Gast. In alten Zeiten liebte man’s wohl, gut zu essen, gut zu trinken und noch lieber mocht’ man lustig sein. Auf braunem Roß kam Mikitka, der Saporoger Kosak, stracks vom gewaltigen Zechgelag auf dem Pereschlaj-Gefilde, allwo er sieben Nächte und sieben Tage des Königs Schlachta mit rotem Weine bewirtet hatte. Auch der Kriegskamerad des Jessaul, Danilo Burulbasch kam angefahren vom anderen Ufer des Dnjepr, wo zwischen zwei Bergen sein Landgut lag; er kam mit seinem jungen Weibe Katerina und seinem einjährigen Sohne. Die Gäste staunten über das weiße Gesicht der Pani Katerina, über die Brauen, die schwarz wie deutscher Sammet waren, über den prächtigen Rock und die Jacke aus altertümlich blauer Seide, und über die Stiefel mit den silbernen Hufen; aber mehr noch nahm sie’s wunder, daß der alte Vater nicht mit ihnen zusammen gekommen war. Der lebte seit einem Jahr in dem Landstrich hinterm Dnjepr, einundzwanzig Jahre war er verschollen gewesen und erst zu seinem Töchterchen zurückgekehrt, als es vermählt war und einen Sohn geboren hatte. Gewiß hätt’ er viel Wunderliches erzählen können. Ja, wie hätte er auch nicht erzählen können, da er doch so lange im fremden Lande geweilt! Dort ist doch alles so anders wie hier: die Menschen sind anders, und dort gibts auch keine christlichen Kirchen ..... Allein er war nicht gekommen.
Den Gästen ward Schnaps mit Rosinen und Pflaumen und auf einer großen Schüssel Hochzeitsbrot gereicht. Die Musikanten griffen tief in den Brotlaib hinein, wo Geld eingebacken war; verstummten eine kurze Zeit lang und legten die Zymbeln, Geigen und Pauken beiseite. Indes wischten sich die jungen Frauen und die Mädchen mit gestickten Tüchern den Mund und traten wieder aus ihren Reihen hervor, während die Burschen, die Hände in die Hüften gestützt, stolz zur Seite blickend, gerad ihnen entgegen wollten, als der alte Jessaul zwei Heiligenbilder herbeitrug, um das junge Paar zu segnen. Er hatte diese Bilder von einem würdigen Eremiten, dem greisen Bartholomäus erhalten. Ihr Zierat war nicht reich, weder Silber noch Gold funkelte auf ihnen, und doch hätte keine unreine Macht es gewagt, den zu berühren, in dessen Haus sie sich befanden. Der Jessaul hob die Bilder in die Höhe und schickte sich an, ein kurzes Gebet zu sprechen ...... da schrien die Kinder, die am Boden spielten, auf einmal in hellem Schreck auf, das Volk wich zurück hinter ihnen, und alle wiesen voll Angst auf einen Kosaken, der in ihrer Mitte stand. Wer er war, das wußte niemand zu sagen, aber schon fing er wacker an, seinen Kosakentanz zu tanzen und ergötzte die Menge, die ihn umringte und brachte sie zum Lachen. Als jedoch der Jessaul die Heiligenbilder emporhob, da verwandelte sich auf einmal das Antlitz des Kosaken: die Nase fing an zu wachsen, wurde größer und größer und krümmte sich zur Seite; grüne Äuglein blitzten anstelle der grauen hervor, die Lippen wurden blau, das Kinn fing an zu zittern und wurde spitz wie ein Speer, aus dem Mund entsprangen zwei Hauer, hinter dem Kopfe wölbte sich ein Buckel empor, und der Kosak wurde zum Greise.
„Das ist er! Das ist er!“ schrien die Menschen, sich eng aneinander drängend.
„Der Zauberer ist wieder da!“ schrien die Mütter und faßten ihre Kinder schnell bei der Hand.
Würdig und stolz trat der Jessaul vor, und während er die Heiligenbilder vor sich hinhielt, sprach er mit lauter Stimme: