„Verschwinde, Satansbild! Für dich ist kein Platz hier!“
Und siehe da, der seltsame Greis knirschte zischend mit den Zähnen wie ein Wolf, und verschwand.
Da erhob sich ein Raunen und Reden unter dem Volke, schwoll immer mehr an und rollte dahin wie das Brausen des Meeres im Ungewitter.
„Was ist das für ein Hexenmeister!“ fragten die Jungen und Unerfahrenen.
„Ein Unheil zieht herauf!“ sprachen die Alten kopfschüttelnd, und überall im weiten Gehöfte des Jessaul lauschten die Haufen des Volkes den Geschichten von dem unheimlichen Zauberer. Doch beinahe alle wußten Verschiedenes zu erzählen, und niemand konnte etwas Sicheres von ihm berichten.
Ein Faß Meth ward auf den Hof gerollt und nicht allzuwenige Eimer voll griechischen Weines stellte man hin. Und wiederum tobte es lustig weiter. Die Musikanten spielten drauf los — und die Mädchen, die jungen Frauen und die noblen Kosaken in blanken Schupans wirbelten wild durcheinander. Das Greisenvolk der Neunzig- und Hundertjährigen wagte, auch schon bezecht, ein Tänzchen und gedachte so mancher Jahre, die nicht ganz tatenlos verflossen waren. Bis zur späten Nacht wurde gezecht und so wurde gezecht, wie man’s jetzt nimmermehr tut. Dann strömten die Gäste auseinander, aber nur wenige gingen ihres Weges: viele blieben in dem weiten Hofraume des Jessaul über Nacht, und noch viel mehr Kosaken schliefen von selbst ein, ungebeten, unter den Bänken, auf dem Fußboden, neben den Rossen oder vor den Ställen: und wo ein rechter Kosak im Rausche hintaumelte, da lag er auch schon und schnarchte laut über ganz Kijew.
II.
Still leuchtete es über dem Weltall auf: der Mond schien hinterm Berg empor. Mit einem kostbaren Schleier aus schneeweißem Damast verhüllte er des Dnjepr gebirgiges Ufer und sein Schatten schlich weit zurück bis ins Dickicht der Fichten.
Inmitten des Dnjepr schwimmt ein eichener Kahn, vorn sitzen zwei Burschen, die schwarzen Kosakenmützen schief in die Stirn gedrückt, und von ihren Rudern sprühen Wasserstrahlen nach allen Seiten auf, wie aus dem Feuerstein Funken.
Warum singen die Kosaken nicht? Warum sprechen sie nicht davon, daß die römischen Pfaffen die Ukraine durchwandern, die Kosaken umzutaufen und zu Katholiken zu machen, und auch nicht davon, wie ihre Horde zwei ganze Tage lang am Salzsee gekämpft. Wie sollten sie auch singen und sagen von kühnen Taten? Pan Danilo, ihr Herr, war in Gedanken versunken, ein Ärmel seines rostroten Schupans glitt aus dem Boot und sank ins Wasser, aber ihre Herrin, Pani Katerina, wiegte leise das Kind und wendete kein Auge von dem Manne, und auf ihren festlichen Rock, der nicht von schützender Leinwand bedeckt war, sprühte das Wasser herab wie grauer Staub.