Köstlich ist von der Mitte des Dnjepr die Schau auf die hohen Berge, die weiten Wiesen und die Wälder im Grün! Das sind nicht Berge wie andere auch: ihr Fuß ist nicht zu sehen, nach oben wie nach unten ragen die spitzen Gipfel empor, sich im Wasser spiegelnd, und über und unter ihnen dehnt sich hoch und weit der Himmel. Auch auf den Hügeln die Wälder sind keine Wälder: das sind Haare auf des Waldgreises zottigem Haupte. Unten umspült ihm das Wasser den Bart, und ganz hoch über dem Barte und über den Haaren erhebt sich der hohe Himmel. Auch die Wiesen sind keine Wiesen: ein grüner Gürtel ist’s, der den runden Himmel in der Mitte umgürtet, und auf seiner oberen wie auf der unteren Hälfte lustwandelt der Mond.

Pan Danilo blickt nicht zur Seite, er blickt auf sein junges Weib. „Warum versankst du in Gram, mein junges Weib, meine goldene Katerina?“

„Nicht bin ich in Gram versunken, mein Herr Danilo! Mich erschreckten nur die seltsamen Sagen vom zaubernden Mann. Man sagt doch, gar furchtbar an Gestalt sei er zur Welt gekommen ..... und von klein auf wollte kein Kind mit ihm spielen. Hör’, Pan Danilo, wie schrecklich das ist, was man erzählt: man sagt, es dünkte ihn stets, daß ihn alle verhöhnten. Geschieht’s, daß abends, wenn’s dunkelt, ein Mensch ihm begegnet, so meint der gleich zu sehen, wie jener den Mund auftut und die Zähne fletscht. Und dann ist der Mensch am folgenden Tage tot. Es ward mir so sonderbar, so grauenvoll ward mir zumute, als ich die Mären vernahm,“ sprach Katerina, und sie nahm ein Tuch und wischte damit ihrem Kinde, das ihr in den Armen schlief, das Gesicht. Dies Tuch war mit Blättern und Beeren geziert, die mit roter Seide darauf gestickt waren.

Pan Danilo sprach kein Wort. Er blickte ins Dunkel der Schatten hinüber, wo in der Ferne sich hinter dem Wald ein Erdwall gleich einem schwarzen Streifen dahinzog, und wo hinter dem Walle ein altes Schloß in die Höhe starrte. Da zeichneten sich in Danilos Antlitz drei Falten über den Brauen ab, und die linke Hand spielte mit dem kecken Schnurrbart. „Nicht das ist schrecklich, daß er ein Zauberer ist,“ sprach er, „schrecklich ist’s, daß er ein schlimmer Gast ist. Was fiel ihm ein, hierher zu kommen? Ich hörte, die Polen wollen eine Festung bauen, um uns den Weg zu den Saporogern abzuschneiden. Mag’s wahr sein ..... Dies Teufelsnest will ich vernichten, sobald nur das Gerücht umzugehen beginnt, daß das ein Schlupfwinkel sei! Ich will den alten Zauberer verbrennen, daß selbst den Raben nichts zu picken mehr bleibt. Doch ich denke mir, er besitzt wohl nicht wenig Gold und allerhand Gut. Hier ist’s, wo dieser Satan wohnt! Wär’ Gold bei ihm zu finden, so ...... Wir rudern sogleich bei den Kreuzen vorbei — da ist der Friedhof, wo das unreine Gebein seiner Ahnen modert. Sie alle, sagt man, waren bereit, sich für einen Groschen dem Satan zu verkaufen, mitsamt ihrer Seele und ihrem zerlumpten Schupan. Doch besitzt er in Wahrheit soviel Gold, dürfte man jetzt nicht lange mehr zögern, nicht immer kann man’s im Kriege da erbeuten.“

„Ich kenne dein Vorhaben wohl: nichts Gutes verkündet mir die Begegnung mit ihm. Du atmest so schwer, du blickst so rauh, deine Brauen sind so finster über den Augen geballt! ....“

„Schweig, Weib!“ rief Danilo wütend, „wer sich mit euch verbindet, wird selbst zum Weibe. Gib mir Feuer für meine Pfeife, Junge!“

Er wandte sich an einen der Ruderer, der klopfte glühende Asche aus seiner Pfeife und tat sie in die Pfeife des Herrn.

„Sie schreckt mich mit dem Zauberer!“ fuhr Pan Danilo fort. „Der Kosak fürchtet, Gott Lob und Dank, weder Teufel, noch römische Priester. Das wär’ was Rechtes, wenn wir auf die Weiber zu hören anfingen. Nicht wahr, Burschen? Unsere Frau ist die Pfeife und die Schärfe des Schwerts!“

Katerina verstummte und ließ die Augen über das träge Wasser gleiten; der Wind kräuselte die stille Flut, und der ganze Dnjepr schimmerte silbern wie ein Wolfsfell zur Nacht.

Der Kahn machte eine Wendung und glitt am waldigen Ufer entlang. Jetzt wurde der Friedhof am Ufer sichtbar. Haufen morscher Kreuze drängten sich da aneinander. Da blühte kein Wachholder zwischen ihnen, da grünte kein Moos, und nur der Mond schien von seiner himmlischen Höhe wärmend auf sie herab.