„Ich will nicht mit Ihnen streiten. Falls Sie der Polizei das Schwein nicht auszuliefern gedenken, so tun Sie mit ihm, was Ihnen beliebt; schlachten Sie es meinetwegen zu Weihnachten, machen Sie Schinken daraus, oder verzehren Sie es. Ich möchte Sie jedoch bitten, falls Sie Würste daraus machen sollten, mir ein paar von der Sorte zu schicken, die Ihre Gapka so kunstvoll aus Blut und Schmalz zuzubereiten versteht. Meine Agrafjena Trifonowna mag sie so gern.“

„Mit Vergnügen; ein paar Würste will ich Ihnen gern schicken.“

„Sie werden mich sehr zu Danke verpflichten, verehrter Freund und Gönner. Jetzt gestatten Sie mir jedoch, Ihnen noch ein Wort zu sagen. Ich habe von allen unseren Bekannten und vom Richter den Auftrag, Sie sozusagen mit Ihrem Freunde Iwan Nikiforowitsch zu versöhnen.“

„Was, mit diesem ungebildeten Menschen! Ich soll mich mit diesem Grobian versöhnen! Niemals! Das wird nie geschehen! Das wird nie geschehen!“ Iwan Iwanowitsch befand sich in einer sehr entschlossenen Stimmung.

„Wie Sie wünschen,“ antwortete der Polizeimeister, und regalierte jedes Nasenloch mit einer Prise, „ich wage nicht, Ihnen einen Rat zu geben, aber erlauben Sie mir, zu bemerken: jetzt sind Sie verfeindet, aber wenn Sie sich versöhnen ...“

Allein Iwan Iwanowitsch begann von der Wachteljagd zu erzählen, was er gewöhnlich tat, wenn er das Gesprächsthema wechseln wollte. Und so mußte der Polizeimeister unverrichteter Sache abziehen.

Sechstes Kapitel.
Aus welchem der Leser alles erfahren kann, was es enthält.

Wie sehr man auch im Gericht die Tatsache geheim zu halten suchte: es half nichts, am nächsten Tag schon wußte ganz Mirgorod, daß Iwan Iwanowitschs Schwein Iwan Nikiforowitschs Eingabe gestohlen hatte. Der Polizeimeister selbst war der erste, dem das Geheimnis in einem unbewachten Augenblicke entschlüpfte. Als man es Iwan Nikiforowitsch erzählte, sagte er weiter nichts als: „war es vielleicht das braune?“

Aber Agafja Fedossiewna, die gerade anwesend war, fiel über Iwan Nikiforowitsch her. „Was fällt dir ein, Iwan Nikiforowitsch? Wie wird man dich auslachen! Wie wird man sich über deine Dummheit lustig machen, wenn du dazu schweigst! Und du willst ein Edelmann sein! Du wärst ja schlimmer als das alte Weib, welche die Honigkuchen verkauft, die du so gern ißt!“ Und die Unermüdliche ließ nicht eher nach, als bis sie ihn überredet hatte. Sie trieb irgendwo einen Menschen in mittleren Jahren auf: einen brünetten Herrn, voller Flecken im Gesicht, in einem dunkelblauen Rock und mit geflickten Ärmeln — einen rechten Tintenkuli und Winkelkonsulenten. Dieser Mensch schmierte seine Stiefeln mit Teer, hatte immer drei Federn hinterm Ohr und trug eine mit einem Schnürchen befestigte Glasblase am Knopfe, welche er als Tintenfaß benutzte. Er aß neun Pasteten auf einen Sitz und steckte die zehnte ein, dabei war er imstande, so viel Verleumdungen auf einen Stempelbogen zu schreiben, daß kein Schreiber es fertig brachte, sie in einem Zug herunter zu lesen, ohne dazwischen mehrmals zu husten und zu niesen. Dieses kleine, menschenähnliche Wesen wühlte überall herum, strengte sich aus Leibeskräften an, und braute endlich folgendes Schriftstück zusammen:

„An das Kreisgericht zu Mirgorod von dem Edelmann Iwan, Nikiforows Sohn, Dowgotschun.“