„Wie? was sagst du?“
„Hört zu: Unser Hetman liegt jetzt eingepökelt in einem kupfernen Kessel zu Warschau und die Köpfe und Hände unserer Hauptleute werden zur Augenweide für alles Volk auf den Jahrmärkten herumgeschleppt. So ist es unsern Anführern gegangen!“
Die ganze Volksmasse geriet in Bewegung. Zuerst herrschte tiefes Schweigen, wie es wohl einem schweren Unwetter vorhergeht, dann aber hallte plötzlich das ganze Ufer von wilden Reden, Ausrufen und Schreien wider.
„Was, die Juden haben die christlichen Kirchen gepachtet! Die katholischen Geistlichen spannen rechtgläubige Christen an ihre Deichseln!! Wie, man duldet auf russischem Boden solche Grausamkeiten von den verfluchten Ungläubigen! Und daß sie so mit unsern Heerführern und Hetmans umgehen! Das kann nicht sein, das darf nicht sein!“
So hallte es aus allen Ecken. Die Saporoger schrien sehr laut: sie empfanden ihre Kraft. Das war nicht mehr das Aufbrausen eines leichtsinnigen Völkchens; das war die Erregung bedachtsamer und männlicher Charaktere, die langsam in Hitze gerieten, aber, einmal entflammt, ihr inneres Feuer lange und dauernd bewahrten.
„Die ganze Judenbande muß gehenkt werden,“ schrie es aus der Menge, „sie sollen ihren Judenweibern keine Röcke mehr aus den geistlichen Gewändern nähen! Sie sollen keine Zeichen auf den heiligen Hostien machen!“
„Ersauft doch dies ganze Heidenpack im Dnjepr!“ Diese Worte, die einer aus der Menge gerufen hatte, zündeten blitzartig in allen Köpfen. Die Menge stürzte in die Vorstadt, mit dem festen Entschlusse, die ganze Judenschaft umzubringen.
Die armen Kinder Israel verloren ihre Geistesgegenwart und ihren letzten, schon ohnedies nicht allzu großen Mut, sie versteckten sich in leeren Branntweinfässern und in den Öfen, und verkrochen sich sogar unter den Röcken der Jüdinnen. Aber die Kosaken wußten sie überall zu finden.
„Erlauchte Herren,“ schrie ein langer spindeldürrer Jude, indem er sein mitleiderregendes, schreckentstelltes Haupt aus der Menge seiner Freunde hervorstreckte. „Erlauchte Herren! laßt mich euch nur ein Wort sagen, ein einziges Wort. Wir werden euch etwas mitteilen, was ihr noch nie gehört habt — etwas so Wichtiges; man kann garnicht sagen, wie wichtig es ist!“
„Gut, mag er sprechen,“ sagte Bulba, der es immer liebte, auch den schuldigen Teil anzuhören.