Und mit frischen Kräften stürzten sie sich auf den Feind. Da wurde manch ein Pole niedergemetzelt, und viele von den Kosaken zeichneten sich durch ihre Kraft und ihren Heldenmut aus! Meteliza, Schilo, die beiden Pisarenko, Wowtusenko und noch mancher andere.

Die Polen sahen, daß es schlecht mit ihnen stand, und so befahlen sie denn, die Fahnen zu hissen und das Stadttor zu öffnen. Knarrend öffnete sich das eisenbeschlagene Tor und nahm die sich stoßenden und drängenden, erschöpften und bestaubten Reiter auf wie der Stall die Schafe. Viele Saporoger sprengten ihnen nach, aber Ostap hielt seine Leute zurück und sagte: „Haltet euch fern von den Mauern, werte Herren und Brüder, haltet euch fern von ihnen. Es ist gefährlich, sich ihnen zu nähern.“ Er hatte die Wahrheit gesprochen, denn die Polen schleuderten alles, was sie in die Hände bekamen, von den Mauern herab, und hierbei wurde mancher Kosak gefährlich verletzt. In diesem Augenblicke ritt der Hetman an Ostap heran, lobte ihn und sagte:

„Der Hauptmann ist zwar noch jung, aber er leitet seine Schar wie ein alter, gewiegter Heerführer!“

Der alte Bulba wandte sich um, um zu sehen, von was für einem neuen Hauptmann die Rede sei, und erblickte Ostap, der mit der Mütze auf dem Ohr und mit dem Hauptmannsstab in der Hand an der Spitze seiner Leute hoch zu Rosse saß. „Das ist ein Kerl!“ rief der Alte, ihn voller Freude betrachtend und dankte allen Uman-Kosaken für die seinem Sohne erwiesene Ehre.

Die Kosaken kehrten wieder um und machten sich bereit, ihr Lager aufzusuchen, als die Polen abermals, diesmal aber bereits in zerrissenen Gewändern auf den Wällen der Stadt erschienen. An vielen kostbaren Kleidern klebte geronnenes Blut, und die schönen Kupferhelme waren mit Staub bedeckt.

„Na, habt ihr uns zusammengebunden?“, riefen ihnen die Saporoger von unten zu.

„Ich werde euch schon fassen,“ schrie der dicke Oberst immer wieder von oben herab und drohte mit einem Strick; die erschöpften und bestaubten Krieger wollten noch immer nicht aufhören, Drohungen auszustoßen, und die Heißblütigsten ließen es auf beiden Seiten nicht an kräftigen Worten fehlen.

Endlich zerstreuten sich alle miteinander. Die einen begaben sich, vom Kampf ermüdet, zur Ruhe, die andern legten Erde auf ihre Wunden und zerrissen Tücher und die kostbaren Gewänder, die sie dem Feinde abgenommen hatten, um sich zu verbinden. Die, die sich etwas frischer fühlten, brachten die Erschlagenen fort und erwiesen ihnen die letzte Ehre; sie gruben ihnen mit einem Schwert oder einer Lanze ein Grab und trugen die Erde in ihren Mützen und Rockschößen fort; andächtig legten sie die toten Kosaken hinein und schütteten frische Erde über sie, damit ihnen Krähen und Adler nicht die Augen aushacken sollten. Die Leichen der Polen banden sie zu je zehn und mehr an die Schweife wilder Rosse und ließen diese zügellos über das ganze Feld rasen, ja, sie jagten noch hinter ihnen her und schlugen sie auf die Lenden. Die rasenden Pferde flogen über Furchen, Hügel, Gräben und Bäche und schleiften die mit Blut und Staub bedeckten Körper der Polen über den Erdboden.

Dann lagerten sich die Kosakenschaaren im Kreise, um ihr Abendessen einzunehmen, und redeten des langen und breiten über die Heldentaten, die ein jeder vollbracht hatte, zur Nacheiferung und zum Gedächtnis für die Neuhinzukommenden und die Nachfahren. Es dauerte lange, ehe sie sich niederlegten, aber länger als alle blieb der alte Taraß auf, der fortwährend darüber nachsann, was es wohl bedeuten mochte, daß Andrij sich nicht unter den feindlichen Kriegern befunden hatte. Ob sich der Judas vielleicht geschämt hatte, gegen die Seinen zu kämpfen, oder ob der Jude gelogen und Andrij einfach gefangen war? Aber er mußte doch wieder daran denken, wie empfänglich sein Herz für die Worte der Frauen war, ein tiefer Gram erfaßte Taraß, und er verfluchte im tiefsten Innern die Polin, die seinen Sohn bezaubert hatte. Oh er wollte seinen Schwur halten; ohne nur im geringsten ihrer Schönheit zu achten, wollte er sie an ihren schönen üppigen Haaren packen und zwischen den Kosaken hindurch über das ganze Feld schleifen. Staub und Blut sollten ihre schönen Brüste und Schultern bedecken und mochten sie noch so weiß sein und schimmern wie der ewige Schnee auf den Berggipfeln, sie sollten gegen die harte Erde schlagen und von ihr zerfetzt und zerrissen werden. In tausend Stücke wollte er ihren wunderbaren schwellenden Körper reißen, und die Teile in den Wind zerstreuen. Aber Bulba wußte nicht, was Gott dem Menschen für den morgigen Tag aufbehalten hat ..... er vergaß endlich seinen Schmerz und schlief ein. Die Kosaken plauderten noch immer miteinander, und die ganze Nacht hindurch standen nüchterne Wachtposten bei den Lagerfeuern und blickten scharfen Auges nach allen Seiten.

Achtes Kapitel