Jankel wandte sich an ihn und teilte ihm mit, daß alles gehen werde, wie er es wünsche, daß Ostap sich im Stadtgefängnis befinde, und daß er, Jankel hoffe, eine Zusammenkunft zwischen ihnen ermöglichen zu können, obgleich die Wachen sehr schwer zu bestechen seien.

Bulba ging mit den drei Juden ins Zimmer hinauf, und diese fingen wieder an, in ihrer unverständlichen Sprache miteinander zu sprechen. Taraß sah sich jeden von ihnen genau an. Plötzlich schien ihn etwas innerlich aufs heftigste erschüttert zu haben: sein rauhes, gleichgültiges Gesicht wurde von einem hell auflodernden Hoffnungsstrahl erleuchtet — einer Hoffnung, die den Menschen oft noch in Augenblicken höchster Verzweiflung heimsucht; sein altes Herz begann laut zu pochen wie bei einem Jüngling.

„Hört, ihr Juden,“ sagte er, und in seinen Worten klang etwas von einer übermächtigen Begeisterung mit, „ihr könnt alles in der Welt, selbst vom Grunde des Meeres holt ihr alles herauf, und schon lange heißt es im Sprichwort, daß ein Jude sich selbst wegstehlen kann, wenn er es nur will. Befreit mir meinen Ostap! Verschafft ihm die Gelegenheit, den Händen jener Teufel zu entfliehen. Ich habe dem Mann da zwölftausend Dukaten versprochen — ich lege noch zwölftausend Dukaten hinzu. Alle meine kostbaren Becher und alles Gold, das ich in der Erde vergraben habe, will ich verkaufen, selbst mein Haus und meinen letzten Rock; ich will mit euch einen Vertrag schließen, und mein ganzes Leben lang alles mit euch teilen, was ich im Kriege erbeuten werde!“

„O es geht nicht, teurer Herr, es geht nicht!“ sagte Jankel seufzend.

„Nein, es geht wirklich nicht,“ sagte ein anderer Jude.

Die drei Juden sahen einander an.

„Vielleicht versucht man es doch,“ sagte der dritte und schielte mit ängstlichen Blicken zu den beiden andern hinüber, „vielleicht hilft Gott!“

Die drei Juden begannen nun deutsch zu sprechen, aber so sehr Bulba auch hinhorchte, er vermochte nichts zu enträtseln, er hörte nur, daß das Wort „Mardochai“ oft wiederholt wurde, sonst verstand er nichts.

„Höre, Herr,“ sagte Jankel, „wir müssen uns mit einem Manne beraten, wie es noch nie einen in der Welt gegeben hat. Er ist so weise wie Salomo, wenn er nichts hilft, so kann nichts helfen auf der ganzen Welt. Bleib hier sitzen, Herr, hier hast du den Schlüssel und laß niemand herein!“ Und die Juden gingen auf die Straße hinaus.

Taraß schloß die Tür und blickte durch das kleine Fensterchen auf die schmutzige Judengasse. Die Juden blieben mitten auf der Straße stehen und begannen ziemlich heftig miteinander zu reden; bald schloß sich ihnen ein vierter und fünfter an. Er hörte, wie sie immer und immer wieder das „Mardochai, Mardochai“ wiederholten. Die Juden blickten fortwährend die Straße hinab, endlich sah man in der Tat hinter einem schmutzigen Hause einen mit jüdischen Schuhen bekleideten Fuß und dann ein Paar lange Rockschöße auftauchen. „Mardochai, Mardochai,“ schrien alle Juden wie aus einem Munde. Ein dürrer Jude, der etwas kleiner war als Jankel, aber bedeutend mehr Falten im Gesicht als dieser und eine überaus große Oberlippe hatte, näherte sich der ungeduldigen Gruppe, und alle Juden stürzten auf ihn zu und suchten ihn von dem Geschehenen zu unterrichten, wobei sie einander beständig unterbrachen. Mardochai blickte unterdessen mehrere Male nach dem kleinen Fensterchen hin, woraus Taraß schloß, daß von ihm die Rede war, bewegte die Hände hin und her, hörte zu, unterbrach die Redenden, spie oft nach der Seite aus, schlug seine Rockschöße zurück, steckte die Hände in die Taschen und holte ein Paar Klappern hervor, wobei seine abgeschabten Hosen zum Vorschein kamen. Schließlich machten die Juden einen solchen Lärm, daß der wachehaltende Glaubensgenosse ihnen ein Zeichen geben mußte, daß sie schweigen sollten, und Taraß begann schon für seine Sicherheit zu fürchten; dann erinnerte er sich jedoch, daß die Juden nicht anders als auf der Straße verhandeln können, und daß selbst der Teufel ihre Sprachen nicht verstehen könne, worauf er sich gleich wieder beruhigte.