Er hatte schon oft ein Maß „grober Erbsen“ zu kosten bekommen, aber er ertrug es mit stoischem Gleichmut und sagte nur: niemand entgeht seinem Schicksal.
Der Rhetor, Tiberius Gorobetz, hatte noch nicht das Recht, einen Schnurrbart zu tragen, Schnaps zu trinken und zu rauchen. Er trug nur einen Haarschopf auf dem Scheitel, und sein Charakter war damals noch wenig entwickelt. Aber aus den großen Beulen auf der Stirn, mit denen er oft in die Klasse kam, ließ sich schließen, daß er einmal einen tüchtigen Soldaten abgeben würde. Der Theologe Haljawa und der Philosoph, Choma, zupften ihn oft zum Zeichen ihrer Gönnerschaft am Schopfe und gebrauchten ihn als Boten.
Es war schon Abend, als sie von der Landstraße abbogen; die Sonne war eben untergegangen, und noch spürte man in der Luft die Wärme des Tages. Der Theologe und der Philosoph marschierten schweigsam mit der Pfeife im Munde dahin und der Rhetor, Tiberius Gorobetz, schlug mit seinem Stab den am Wege wachsenden Disteln die Köpfe ab. Der Weg zog sich zwischen Gruppen von Eichen und Nußbäumen dahin, welche die Wiesen beschatteten; dann und wann unterbrachen Hügel und kleine grüne Berge, die so rund waren wie Kuppeln, die Ebene. Verstreute Ackerfelder, mit reifendem Getreide bestellt, ließen erkennen, daß irgendwo ein Dorf in der Nähe sein müsse. Aber es war schon mehr als eine Stunde vergangen, seit sie an dem Ackerfelde vorbeigekommen waren, und noch immer war kein Gehöft zu sehn. Die Dämmerung hatte schon den ganzen Himmel eingehüllt: nur fern im Westen schimmerte noch ein schmaler, blauer Streifen Abendrot.
„Weiß der Teufel,“ sagte der Philosoph Choma Brut, „es sah doch ganz so aus, als müßten wir gleich auf ein Gehöft stoßen!“
Der Theologe schwieg und sah sich nach allen Seiten um, dann steckte er seine Pfeife wieder in den Mund, und alle drei trabten weiter.
„Bei Gott,“ rief der Philosoph und blieb wieder stehen, „es ist rein gar nichts zu sehen. Hol’s der Henker!“
„Vielleicht erreichen wir doch noch ein Gehöft,“ sagte der Theologe, ohne seine Pfeife aus dem Munde zunehmen.
Unterdessen war die Nacht hereingebrochen, eine finstere, dunkele Nacht; die kleinen Wolken am Himmel verstärkten die Finsternis nur noch mehr, und allem Anscheine nach durfte man weder auf Mond noch Sterne rechnen. Die Burschen merkten, daß sie sich verirrt hatten und längst vom richtigen Wege abgekommen waren.
Der Philosoph tastet mit dem Fuß nach allen Seiten und rief endlich kurz aus. „Ja, wo ist denn der Weg?“
Der Theologe schwieg, und murmelte nach einigem Nachdenken: „Ja, die Nacht ist dunkel ..!“