„Ich habe sie gar nicht kennen gelernt, gnädiger Herr, bei Gott, ich habe sie nie kennen gelernt. Solange ich auf der Welt bin, habe ich noch nie mit einem Fräulein zu tun gehabt. Gott bewahre mich davor, um nichts Unschicklicheres zu sagen.“

„Warum hat sie denn aber gerade dich und keinen anderen dazu bestimmt, an ihrem Sarge zu beten?“

Der Philosoph zuckte die Achseln. „Mein Gott, wie soll ich das erklären? Es ist ja bekannt, daß die vornehmen Herrschaften manchmal auf Dinge kommen, die auch der gelehrteste Mensch nicht zu erklären vermag. ‚Wenn der Herr will — muß der Knecht springen‘, sagt das Sprichwort.“

„Lügst du auch nicht, Herr Philosoph?“

„So wahr ich hier stehe, der Blitz soll mich treffen, wenn ich lüge!“

„Wenn sie nur noch einen Augenblick länger gelebt hätte,“ sagte der Hauptmann traurig, „dann hätte ich gewiß alles erfahren. ‚Laß niemand für mich beten, Vater, schicke gleich in das Kiewer Seminar und laß den Seminaristen Choma Brut kommen. Er soll drei Nächte lang für meine sündige Seele beten. Er weiß alles ...‘ was er aber wissen sollte, das bekam ich nicht mehr zu hören. Nur dies konnte mein Liebling noch sagen, dann starb sie. Du bist sicherlich durch deinen reinen Lebenswandel und durch deine Gottesfurcht berühmt, mein Lieber, und sie hat vielleicht von dir gehört.“

„Wer? Ich?“ sagte der Seminarist und trat vor Erstaunen einen Schritt zurück. „Ich, wegen meines gottesfürchtigen Lebens berühmt?“ Er sah dem Hauptmann gerade in die Augen. „Gott segne Sie! Herr, was sagen Sie da! Ich ... ich ... ich schäme mich fast, davon zu reden ... aber ich bin am Abend vor Gründonnerstag noch zur Bäckerin gegangen!“

„Nun, nun ... sie wird schon ihren Grund gehabt haben, als sie diese Bestimmung traf! Du mußt gleich heute beginnen.“

„Euer Gnaden, gestatten Sie mir, darauf zu erwidern ... natürlich, jeder Mensch, der die heilige Schrift kennt, kann ja — je nach den Verhältnissen ... aber hier wäre ein Diakonus oder wenigstens ein Vorsänger mehr am Platz. Das sind doch verständige Leute, die da wissen, wie alles gemacht werden muß ... ich dagegen ... ich habe ja nicht einmal die Stimme, die dazu nötig ist, ich bin ... weiß der Teufel, was ich bin! Ich sehe ja auch nach nichts aus!“

„Mach, was du willst, aber ich will alles tun, was mein Liebling bestimmt hat, und nichts soll mich gereuen. Wenn du von heute an die üblichen drei Nächte bei ihr wachen und beten willst, sollst du reichlich belohnt werden. Wenn du dich dagegen weigerst — ich möchte selbst dem Teufel nicht raten, mich zu reizen!“