„Nein, ich will die Geschichte vom Jäger Mikita erzählen,“ sagte Spirid.
„Laßt ihn erzählen, laßt Spirid erzählen!“ riefen alle.
Spirid begann. „Du hast Mikita nicht gekannt, Herr Philosoph. Ja, das war ein seltener Mensch. Jeden Hund kannte er wie seinen leiblichen Vater. Der jetzige Hundeaufseher, Mikolo, der dritte dort in der Reihe, reicht lange nicht an ihn heran, obgleich er seine Sache auch gut versteht, aber gegen Mikita ist er nichts wie Schund und Dreck.“
„Du erzählst ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet,“ warf Dorosch ein und nickte zufrieden mit dem Kopfe.
Spirid fuhr fort. „Noch ehe du dir den Tabak aus der Nase wischst, hat der den Hasen gesehen. Es kam vor, daß er den Hunden zurief: ‚Auf, Räuber, auf Schneller‘ und saß selbst schon auf dem Gaul und sauste mit Windeseile davon. Es war unmöglich, vorauszusagen, ob er — die Hunde, oder die Hunde — ihn überholen würden. Der goß euch ein Viertel Branntwein hinunter, wie wenn nichts passiert wäre. Ein herrlicher Jäger! Aber plötzlich fing er an, sich in einem fort nach dem Fräulein umzusehen. War er in sie verschossen, oder hatte sie ihn schon behext, kurz der Mann war verloren, und ein richtiger Weiberknecht geworden. Weiß der Teufel, was aus dem geworden war. Pfui — man schämt sich, es auszusprechen.“
„Ausgezeichnet,“ sagte Dorosch.
„Das Fräulein brauchte ihn nur anzusehen, und die Zügel glitten ihm aus den Händen. Den ‚Räuber‘ nannte er ‚Brauner‘, er stotterte fortwährend und trieb weiß Gott was für einen Unsinn. Einmal kam das Fräulein in den Stall, wo er die Pferde putzte. ‚Erlaub mal, Mikita,‘ sagte sie, ‚daß ich meinen Fuß auf dich setze.‘ Und der Esel — freut sich noch und sagt: ‚nicht bloß deinen Fuß, setz dich ganz auf mich.‘ Das Fräulein hob den Fuß in die Höhe, und wie er ihr nacktes, volles, weißes Bein sieht, da hat mich der Zauber völlig betäubt, sagte er. Der Esel bückte sich, faßte ihre beiden nackten Beine mit seinen Händen und begann zu galoppieren wie ein Pferd, immer die Felder entlang und immer weiter; wohin sie eigentlich geritten waren, das wußte er nie zu sagen. Jedenfalls kam er halbtot zurück, und wurde von da ab dürr und mager wie ein Kienspan; als man einmal in den Pferdestall kam, lag an der Stelle, wo er sonst zu schlafen pflegte, nur ein Haufen Asche und ein leerer Eimer; er war verbrannt, ganz von selbst verbrannt. Und war doch ein Jäger gewesen, wie man auf der ganzen Welt keinen zweiten findet!“
Als Spirid seine Erzählung beendet hatte, begann man sich allerseits der Vorzüge des früheren Jägers zu erinnern.
„Hast du auch nichts von dem Scheptschicha gehört,“ wandte sich Dorosch an Choma.
„Nein.“