„Wie sollte ich nicht?“ sagte der Philosoph und ließ die Stimme sinken: „ein jeder weiß, was lederne Riemen sind — ein größere Portion davon — das kann niemand aushalten.“

„Ja. Aber du weißt wohl noch nicht, wie meine Leute sich aufs Prügeln verstehen,“ sagte der Hauptmann drohend und erhob sich; seine Züge nahmen eine gebieterische und grausame Miene an, in der sich die ganze Zügellosigkeit seines Charakters spiegelte, die eben nur durch den Kummer ein wenig eingeschläfert war. „Bei mir wird erst geprügelt, dann Branntwein darauf gegossen, und dann geht’s von neuem los. Geh, vollende deine Arbeit. Tust du es nicht — so stehst du nie wieder auf; gehorchst du mir dagegen — so gibt’s tausend Goldstücke!“

„Herrgott, das ist ja ein Teufelskerl,“ dachte der Philosoph, als er hinausging, „mit dem darf man nicht spaßen. Paß auf, Freundchen, ich werde Fersengeld geben, daß du mich mit all deinen Hunden nicht einholen sollst.“

Choma Brut war fest entschlossen, auszureißen. Er wartete nur noch die Zeit bis nach dem Mittagessen ab, wo das Gesinde sich ins Heu unter den Speichern zu legen pflegte, um mit offenem Munde in ein so schreckliches Pfeifen und Schnarchen auszubrechen, daß sich der Herrschaftshof in eine Fabrik zu verwandeln schien.

Endlich war es so weit. Selbst Jawtuch streckte sich in der Sonne aus und schloß die Augen. Zitternd und zagend schlich sich der Philosoph in den herrschaftlichen Garten, von wo er leicht und unbemerkt ins freie Feld zu gelangen hoffte. Der Garten war, wie das gewöhnlich der Fall ist, unglaublich verwildert und schien daher für allerlei geheime Unternehmungen besonders geeignet. Mit Ausnahme eines kleinen Fußpfades (der zu wirtschaftlichen Zwecken ausgetreten worden war), waren alle Wege dicht von Kirschbäumen, Holundersträuchern und Kletten verwachsen, die ihre langen Stengel mit den klebrigen, rosafarbenen Blüten hoch hinaufstreckten. Die Spitzen dieses bunten Gemischs von Bäumen und Sträuchern war wie mit einem Netze von Hopfenranken überzogen. Sie bildeten gewissermaßen ein Schutzdach, das auf dem geflochtenen Zaune ruhte und sich in grünen, mit wilden Glockenblumen durchwachsenen Schlangenwindungen zur Erde hinabließ. Hinter dem Zaun, der den Garten begrenzte, zog sich ein förmlicher Wald von Steppengras hin: hier schien noch kein neugieriger Blick hineingeschaut zu haben, und die Sense, welche mit ihrer Klinge diese dicken holzharten Stengel zu schneiden versucht hätte, wäre sicher in Stücke zersprungen.

Als der Philosoph über den Zaun steigen wollte, klapperten seine Zähne, und sein Herz pochte so heftig, daß er selbst erschrak. Die Schöße seines langen Rockes schienen an der Erde festzukleben, als hätte sie dort jemand angenagelt. Als er über den Zaun stieg, klang plötzlich ein betäubender Pfiff an sein Ohr, und eine Stimme schrie: „Wohin, wohin?“ Der Philosoph tauchte im Steppengras unter und begann zu laufen, wobei er in einem fort über alte Wurzeln stolperte und Maulwürfe zertrat. Er sah nun, daß er nach dem Heidegras noch ein Stück Feld zu passieren hatte, hinter dem sich eine dichte Dornenhecke hinzog: dort glaubte er sich gerettet, da er jenseits der Hecke einen direkten Weg nach Kiew zu finden meinte. Mit einer geradezu unglaublichen Geschwindigkeit durchmaß er das Feld, und befand sich plötzlich vor einer dichten Dornbuschhecke. Er kroch durch die Hecke, wobei er an jedem spitzen Dorn ein Fetzen seines Gewandes als Tribut zurückließ. Endlich gelangte er zu einem kleinen Hohlwege, wo eine Weide stand, die mit ihren weit ausgebreiteten Zweigen ab und zu die Erde berührte, und wo eine schmale, kristallklare Quelle wie lauteres Silber erglänzte. Das erste, was der Philosoph tat, war, daß er niederkniete und zu trinken begann — denn er verspürte einen geradezu unerträglichen Durst. „Ein herrliches Wasser,“ sagte er, indem er sich die Lippen abtrocknete, „hier könnte man fein ausruhen!“

„Nein, es ist doch besser, wir laufen weiter, vielleicht sind uns die Verfolger schon auf den Fersen!“

Diese Worte ertönten dicht neben seinem Ohr. Er sah sich um — Jawtuch stand vor ihm.

„So ein Teufel, dieser Jawtuch,“ dachte der Philosoph, „ich würde dich mit Vergnügen bei beiden Beinen packen und deine verdammte Fratze samt allen übrigen Körperteilen mit einem Eichenknüppel bearbeiten!“

„Wozu hast du so einen großen Umweg gemacht,“ fuhr Jawtuch fort, „es wäre klüger gewesen, du hättest den Weg gewählt, den ich gegangen bin: er führt dicht beim Stall vorbei. Dein Anzug tut mir leid. Solch ausgezeichnetes Tuch. Was hast du für die Elle bezahlt? — Doch jetzt sind wir genug spazieren gegangen: es ist Zeit, nach Hause zu gehen.“