Der letzte Rest seines Rausches war verschwunden. Choma schlug ein Kreuz ums andere und las alle möglichen Gebete, die er kannte, durcheinander. Unterdessen aber hörte er, wie die Dämonen um ihn herumtobten, sie streiften ihn fast mit ihren Flügeln und berührten ihn mit ihren widerlichen Schwänzen. Er hatte nicht den Mut, sie sich genauer anzusehen: er bemerkte nur, daß ein riesiges Ungeheuer, das so lang wie die Wand war, vor ihm stand: Ein dichter Wald von gräulichen durcheinander gewirrten Haaren hüllte es ein: durch das Geflecht der Haare aber blickten zwei grausige Augen hervor, deren Brauen ein wenig in die Höhe gezogen waren. Über ihm in der Luft schwebte eine Art Riesenblase, aus deren Zentrum sich Tausende von Zangen und Skorpion-Stacheln hinausstreckten, an deren Enden große Klumpen schwarzer Erde hingen. Alle blickten den Philosophen an, spähten nach ihm, und konnten ihn doch nicht sehen, denn er war von dem heiligen Kreise umgeben. „Führt den Wij her, führt den Wij her,“ schrie plötzlich die Stimme der Toten.

Mit einem Male trat in der Kirche eine tiefe Stille ein. Aus der Ferne vernahm man das Heulen der Wölfe, und gleich darauf erdröhnten schwere Schritte, die im Gotteshause laut widerhallten. Choma warf einen scheuen Blick auf die Tür und sah, wie ein untersetztes, stämmiges, täppisches Menschenwesen hineingeführt wurde. Es war ganz in schwarze Erde gehüllt. Seine gleichfalls mit Erde bedeckten Hände und Füße streckten sich wie zähe, knorrige Wurzeln empor, es stieß polternd mit den Füßen auf den Boden und stolperte beständig. Die großen Augenlider hingen ihm bis zur Erde herab und voller Grauen gewahrte Choma, daß sein Antlitz von Eisen war. Die Geister führten das Ungetüm an der Hand und brachten es bis an die Stelle, wo Choma stand.

„Hebt mir die Lider empor, ich sehe nicht,“ stöhnte Wij mit unterirdischer Stimme — und die ganze Dämonenschar stürzte auf ihn zu, um ihm die Lider empor zu heben.

Eine innere Stimme flüsterte dem Philosophen zu: sieh nicht hin. Aber er hielt es nicht aus und blickte hin.

„Da ist er,“ schrie Wij und deutete mit seinem eisernen Finger auf ihn, und alle Geister fielen über den Philosophen her. Atemlos stürzte er zu Boden und gab schreckerfüllt seinen Geist auf.

Da krähte der Hahn. Es war schon der zweite Schrei. Die Geister hatten den ersten überhört. Die geängstigten Dämonen zerstreuten sich nach allen Seiten: durch die Tür und durch die Fenster, nur um recht schnell zu entfliehen. Aber es war schon zu spät, sie blieben zwischen Türen und Fenstern hängen.

Als der Geistliche die Kirche betrat, blieb er beim Anblick einer solchen Schändung des Allerheiligsten auf der Schwelle stehen und wagte es nicht mehr, hier eine Messe abzuhalten. So blieb denn die Kirche mit den in den Fenstern und Türen festgebannten Ungeheuern in alle Ewigkeit leer. Wald, Wurzeln, Steppengras und wilde Dornhecken überwucherten sie, — und niemand wird je wieder den Weg zu ihr finden.


Als das Gerücht von diesen Begebenheiten bis nach Kiew drang und der Theologe Haljawa von dem Schicksal des Philosophen Choma hörte, versank er eine Stunde lang in tiefes Nachdenken. Seitdem war eine große Veränderung mit ihm vorgegangen. Das Glück war ihm hold gewesen: nach Beendigung des Kursus war er zum Glöckner des allerhöchsten Glockenturmes ernannt worden, und nun erschien er nie anders als mit einer zerschlagenen Nase, da die Treppe im Turm sehr schlecht gebaut war.

„Hast du schon gehört, wie es Choma ergangen ist?“ fragte ihn Tiberius Gorobetz, als er ihm einmal begegnete, er war jetzt Philosoph und trug schon einen Schnurrbart.