„Es war Gottes Wille,“ sagte der Glöckner, „komm in die Schenke, wir wollen seiner bei einem Glase gedenken.“
Der junge Philosoph, der begeistert von seinen neuen Rechten Gebrauch machte — seine Hosen, sein Rock, ja selbst seine Mütze rochen stark nach Alkohol und Tabak — drückte sofort seine Bereitwilligkeit aus.
„Choma war doch ein herrlicher Mensch,“ sagte der Glöckner, als der lahme Wirt den dritten Krug vor ihm hinstellte, „ein famoser Kerl, und ist so um nichts und wieder nichts umgekommen!“
„Ich weiß, warum er umgekommen ist! Weil er Angst bekommen hat; hätte er sich nicht gefürchtet, so hätte die Hexe ihm nichts anhaben können. Man muß nur das Kreuz schlagen, und ihr auf den Schwanz spucken — dann kann einem nichts geschehen! Ich kenne das ganz genau. Bei uns in Kiew sind doch alle Marktweiber Hexen.“
Hier nickte der Glöckner zum Zeichen seines Einverständnisses mit dem Kopf. Aber als er merkte, daß seine Zunge sich nicht mehr bewegen und keine Laute mehr hervorbringen konnte, erhob er sich vorsichtig und ging taumelnd davon, um sich irgendwo abseits im Steppengras auszustrecken. Hierbei vergaß er es jedoch aus alter Gewohnheit nicht, eine alte Stiefelsohle einzustecken, die auf einer Bank lag.
Wie Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch sich entzweiten
Erstes Kapitel.
Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch.
Was für eine herrliche Pekesche Iwan Iwanowitsch doch hat! Diese Pelzverbrämung — Teufel auch — diese Pelzverbrämung! Bläulichgrau, mit einem weißlichen Schimmer! Bei Gott — ich will ein Schuft sein, wenn es noch einen zweiten solchen Pelzrock gibt. Ich bitte Sie, sehen Sie sich das einmal an — besonders, wenn Iwan Iwanowitsch mit jemand spricht — betrachten Sie ihn nur in Profil: was ist das für eine Pracht! Es ist ganz unbeschreiblich: das leuchtet wie Samt und Silber und Feuer! Bei Gott, heiliger Wundertäter Nikolaus, frommer Knecht Gottes, ich bitte dich: warum habe ich nicht solch eine Pekesche! Er hat sie sich noch damals machen lassen, als Agafja Feodosiewna noch nicht so oft nach Kiew reiste. (Sie kennen doch Agafja Feodosiewna? Dieselbe, die dem Assessor das Ohr abgebissen hat?)
Und was für ein Prachtmensch Iwan Iwanowitsch ist! Wie stattlich ist sein Haus in Mirgorod! Rundherum geht ein Schutzdach auf eichenen Pfosten, und darunter stehen überall Bänke. Wenn es zu heiß wird, zieht er Pelzrock und Hose aus, legt sich im bloßen Hemd unter das Schutzdach und beobachtet, was im Hofe und auf der Straße vorgeht. Und was für herrliche Apfel- und Birnbäume vor dem Fenster stehen! Bitte öffnen Sie nur die Fenster, sofort stecken sie ihre Zweige bis ins Zimmer; aber das ist bloß vor dem Hause. Sehen Sie sich mal erst den Garten an! Was gibt es da nicht alles! Pflaumen, Kirschen, Weichsel, allerlei Gemüse, Sonnenblumen, Gurken, Melonen, Erbsen — sogar eine Tenne und eine Schmiede gibt es da.
Was für ein Prachtmensch Iwan Iwanowitsch ist! Besonders gern ißt er Melonen, das ist sein Lieblingsgericht. Gleich nach dem Mittagessen begibt er sich im Hemd unter das Schutzdach und befiehlt Gapka, zwei Melonen aufzutragen, die er eigenhändig zerlegt. Dann nimmt er die Kerne heraus, wickelt sie in ein Papier und macht sich daran, die Melonen zu verzehren; Gapka muß ihm das Tintenfaß bringen, und er schreibt eigenhändig auf das Päckchen: „Diese Melonen wurden an dem und dem Tage gegessen“. War irgend ein Gast dabei, so wird hinzugefügt: der und der hat teilgenommen.