Der verstorbene Richter von Mirgorod freute sich immer von Herzen beim Anblick von Iwan Iwanowitschs Haus. Ja — das Haus kann sich auch sehen lassen! Vor allem gefallen mir die vielen Balkone und Erkerchen, welche von allen Seiten angebaut sind; wenn man es von ferne erblickt, so sieht man die Dächer, die übereinander liegen — das erinnert mich immer an einen Teller voll Pfannkuchen, oder besser an Pilze, die aneinander und übereinander um einen herum wachsen. Übrigens sind die Dächer mit Binsen gedeckt, über die eine Weide, eine Eiche und zwei Apfelbäume ihre üppigen Zweige ausbreiten. Durch das Geäst aber gucken die kleinen Fensterchen mit ihren geschnitzten weißen Läden munter auf die Straße hinaus.
Was für ein Prachtmensch ist doch Iwan Iwanowitsch! Der Herr Kommissar aus Poltawa ist sein guter Bekannter. Dorosch Tarasowitsch Puchiwotschka besucht ihn stets, wenn er aus Chorol hierherkommt, und Vater Peter der in Koliberda wohnt, pflegt, wenn einmal fünf Mann hoch bei ihm zu Gaste sind, stets zu erwähnen, daß er niemanden kennt, der seine Christenpflicht so gut erfüllt und so zu leben versteht, wie Iwan Iwanowitsch.
Mein Gott, wie doch die Zeit vorbeieilt. Damals waren schon zehn Jahre verflossen, seit er Witwer geworden war. Er hatte keine Kinder. Dafür hat Gapka, die Magd, welche, die im Hofe spielen. Iwan Iwanowitsch gibt gewöhnlich jedem Kinde eine Bretzel, ein Stückchen Melone oder eine Birne. Gapka hat auch die Schlüssel zu den Kammern und Kellern: nur der Schlüssel zu dem großen Kasten, der in seinem Schlafzimmer steht, und der zu der mittleren Vorratskammer befindet sich bei ihm; denn Iwan Iwanowitsch liebt es nicht, jemanden dort hineinzulassen. Gapka ist ein kräftiges Mädel, mit einer großen Schürze, drallen Waden und roten Backen.
Und was für ein gottesfürchtiger Mensch Iwan Iwanowitsch ist! Jeden Sonntag zieht er seine Pekesche an und geht in die Kirche. Nachdem er sich nach allen Seiten verneigt hat, nimmt er gewöhnlich im Chor Platz und unterstützt den Baß auf das schönste. Ist der Gottesdienst zu Ende, so unterläßt es Iwan Iwanowitsch nie, der Reihe nach alle Bettler aufzusuchen. Vielleicht hat er oft gar keine Lust, sich mit so langweiligen Sachen abzugeben, aber seine natürliche Gutmütigkeit läßt ihm keine Ruhe.
Gewöhnlich sucht er sich das allerarmseligste Weib, in einem zerfetzten, aus Lumpen zusammengeflickten Kleide aus und wendete sich teilnahmsvoll an sie. „Nun wie geht es Ärmste? Woher kommst du Mütterchen?“
„Ich komme vom Dorf, Herr, seit drei Tagen habe ich weder gegessen noch getrunken. Die eigenen Kinder haben mich fortgejagt.“
„Du arme Seele! Und warum bist du hierhergekommen?“
„Ach Herr, ich stehe hier und bitte um ein Almosen, vielleicht gibt mir jemand etwas Geld, damit ich mir Brot kaufen kann.“
„Hm. So. Du möchtest also Brot haben?“ fragte Iwan Iwanowitsch gewöhnlich.
„Wie sollte ich nicht? Ich bin hungrig wie ein Hund.“