Postmeister. Durch einen eigenhändigen Brief von ihm. Man bringt mir einen Brief auf die Post, ich schaue die Adresse an, lese „Poststraße“, und war starr vor Schreck. Na, denke ich, bei mir hat er richtig Unregelmäßigkeiten in der Postverwaltung entdeckt und berichtet darüber der Behörde. Nehm ihn und brech ihn auf.

Polizeimeister. Wie kommen Sie dazu?!

Postmeister. Ich weiß selbst nicht wie, eine übernatürliche Gewalt zwang mich dazu. Ich hatte schon den Kurier kommen lassen, der ihn per Estafette befördern sollte — aber da überkam mich eine so heftige Neugierde, wie ich sie noch nie empfunden habe. Ich darf nicht, ich darf nicht, ich weiß, ich darf nicht — aber es zieht, zieht immer stärker. In einem Ohre flüstert es: „mach ihn nicht auf, du fällst rein“, aber ins andere Ohr raunt mir ein Satan: „brich auf, brich auf, brich auf“, und wie ich das Siegel berühre — Feuer, und wie ich’s erbrochen hatte — Eis — kaltes Eis. Mir zitterten die Hände und alles drehte sich rundherum.

Polizeimeister. Wie konnten Sie sich erdreisten, den Brief einer so hochbevollmächtigten Persönlichkeit zu erbrechen?!

Postmeister. Das ist ja gerade der Spaß, daß er weder hochbevollmächtigt, noch auch eine Persönlichkeit ist!

Polizeimeister. Was sollte er denn nach Ihrer Meinung sein?

Postmeister. Nicht dies, nicht das, weiß der Teufel, was.

Polizeimeister (zornig). Wie, nicht dies, nicht das? Wie können Sie sich unterstehen, von ihm zu sagen „nicht dies, nicht das, und weiß der Teufel, was?“ Ich lasse Sie verhaften!

Postmeister. Wer, Sie?

Polizeimeister. Ja, ich!