Zeit: Um 1835. — Ort: Eine kleine russische Provinzialstadt.

Charaktere und Kostüme
(Bemerkungen für die Herren Schauspieler)

Der Polizeimeister: Ein im Dienst bereits ergrauter und in seiner Art gescheiter Mann. Obgleich bestechlich, gibt er sich als soliden und ernsthaften Menschen und ist in gewissem Sinne sogar Räsoneur. Er spricht weder laut noch leise, noch viel, noch wenig; jedes seiner Worte hat Gewicht. Seine Gesichtszüge sind grob und hart, wie bei allen, die in einer mühsamen Karriere von der Pike auf gedient haben. Der Übergang von Furcht zu Freude, von Unterwürfigkeit zu Hochmut vollzieht sich bei ihm ziemlich unvermittelt, wie bei allen Leuten mit roh entwickelten Charakteranlagen. Er trägt die übliche Uniform mit Litzenkragen und Stulpstiefel mit Sporen; sein graues Haar ist kurzgeschoren.

Anna Andréjewna, seine Frau: Eine noch leidlich konservierte Provinzialkokette, die zur Hälfte in der Lektüre von Romanen und Poesiealbums, zur Hälfte im Kleinkram von Hauswirtschaft und Gesindeplackerei aufgeht. Sehr neugierig, kehrt sie gelegentlich auch Hoffart hervor; erlangt oftmals dadurch Übergewicht über ihren Mann, daß dieser ihr nichts zu antworten weiß; doch erstreckt sich solches Übergewicht nur auf Kleinigkeiten und besteht lediglich in Vorwürfen und Hohn. Im Verlaufe des Stückes wechselt sie viermal die Toilette.

Chlestakóff: ein junger Mann von 23 Jahren, schmächtig und unansehnlich, etwas einfältig und hat, wie man zu sagen pflegt, das Pulver nicht erfunden; einer von den Leuten, die man in den Kanzleien Windbeutel nennt. Er ist nicht imstande längere Zeit bei einem Thema zu verweilen, spricht unzusammenhängend, und die Worte sprudeln ihm unberechenbar aus dem Munde. Je mehr Freimut und Harmlosigkeit der Darsteller dieser Rolle zur Schau trägt, desto größeren Erfolg wird er erzielen. Seine Kleidung ist modern (1835).

Ossip, sein Diener: Von dem Wesen, das Diener in vorgerückten Jahren zu haben pflegen; er spricht gelassen, hält den Blick etwas gesenkt, räsoniert und liebt es, seinem Herrn in dessen Abwesenheit Vorhaltungen zu machen. Seine Stimme ist fast immer monoton, nimmt aber im Gespräch mit seinem Herrn einen mürrischen, kargen, zuweilen sogar groben Ausdruck an. Er ist pfiffiger als sein Herr und weiß sich deshalb rascher zurechtzufinden, spricht aber nicht gern viel und ist ein stilles Wasser. Seine Kleidung ist ein grauer oder blauer verschlissener Kittel.

Bóbtschinski und Dóbtschinski: Beide von kleinem, niedrigem Wuchs, sehr neugierig; einander sehr ähnlich; beide mit leichtem Embonpoint. Sie sprechen hastig und unterstützen ihre Rede durch reichliches Gestikulieren mit den Händen. Dóbtschinski ist ein wenig größer und ernsthafter als Bóbtschinski, dieser aber ist dafür beweglicher und lebhafter als jener.

Ljápkin-Tjápkin, der Kreisrichter: ein Mensch, der fünf bis sechs Bücher gelesen hat und daraufhin den Freigeist herauskehrt. Ist stark in Hypothesen und spricht deshalb jedes Wort mit wichtigem Ton. Der Darsteller dieser Rolle sollte stets eine vielsagende Miene aufsetzen. Er spricht in tiefem Baß, sehr gedehnt, heiser und mit Räuspern, wie eine alte Wanduhr, die erst schnarrt, ehe sie schlägt.

Semljaníka, der Hospitalverwalter: Ein sehr korpulenter, schwerfälliger und plumper Mann; bei alledem Intrigant und Gauner; sehr zuvorkommend und gefällig.

Der Postmeister: Ein bis zur Naivität einfältiger Mensch.