Mischa. Aber ich bitte Sie, wie sollte sie auch klatschen! Sie kann ja kaum ein Wort hervorbringen und wenn sie es tut, dann nur so, daß man die Hände ringen möchte. Sie wissen ja selbst, Mütterchen, das Heiraten ist eine Herzensangelegenheit, man muß die Seele ...
Maria Alexandrowna. Nun ja! Als ob ich’s geahnt habe! Höre, laß diesen liberalen Tonfall! Er paßt nicht zu dir, ich habe dir das schon zwanzigmal gesagt. Anderen mag er vielleicht liegen, aber dich kleidet er schon gar nicht.
Mischa. Mütterchen, war ich Ihnen je ungehorsam? Ich bin schon bald dreißig Jahre alt, und ich gehorche Ihnen in allem wie ein Kind. Sie befehlen mir irgendwohin zu fahren, wohin ich in den Tod nicht fahren möchte — und ich tue es, ohne Ihnen auch nur zu zeigen, wie schwer es mir fällt. Sie befehlen mir, mich im Vorzimmer des Herrn Soundso herumzudrücken, und ich drücke mich im Vorzimmer des Herrn Soundso herum, auch wenn es ganz gegen meine Wünsche ist. Sie befehlen mir, auf den Bällen herumzutanzen — und ich tanze, trotzdem alle über mich und meine Figur lachen. Schließlich befehlen Sie mir den Dienst zu wechseln: und ich wechsle den Dienst, mit dreißig Jahren werde ich Junker, werde mit dreißig Jahren gleichsam von neuem geboren wie ein Kind — alles Ihnen zuliebe, und dabei reiben Sie mir jeden Tag den Liberalismus unter die Nase. Es vergeht kein Moment, wo Sie mich nicht einen Liberalen nennen. Hören Sie, Mütterchen, das schmerzt — ich schwöre Ihnen, das schmerzt. Ich habe doch wohl für meine aufrichtige Liebe und Anhänglichkeit an Sie mehr verdient, als ...
Maria Alexandrowna. Bitte, sprich nicht so. Als ob ich nicht weiß, daß du ein Liberaler bist! Ich weiß sogar, wer dir dies alles eingeredet hat: das kommt alles von diesem widerlichen Sobatschkin.
Mischa. Nein, Mütterchen, das ist zu viel, nun soll ich auch noch Sobatschkin folgen. Sobatschkin ist ein Lump, ein Spieler und alles, was Sie wollen. Aber daran ist er unschuldig. Ich werde ihm niemals erlauben, auch nur einen Schatten von Einfluß auf mich zu haben.
Maria Alexandrowna. Ach mein Gott, was ist das für ein furchtbarer Mensch! Ich erschrak förmlich, als ich ihn durchschaute. Ohne alle Grundsätze, ohne Tugenden — was für ein abscheulicher Mensch! Wenn du wüßtest, was er für Gerüchte über mich verbreitet hat! ... Drei Monate konnte ich mein Gesicht nirgends sehen lassen. Talgstümpfe soll man bei mir brennen! Wochenlang sollen die Teppiche in den Zimmern nicht mit der Bürste berührt werden! Die Pferde seien bei mir mit einfachen Stricken angeschirrt, und ich soll so spazieren gefahren sein: mit einem Kummet, wie bei einem gewöhnlichen Droschkengaul ... Ich wurde ganz rot vor Scham; über eine Woche bin ich nicht ausgegangen, ich weiß gar nicht, wie ich das alles überstehen konnte. Wahrhaftig, nur der Glaube an die Vorsehung hat mich noch aufrecht erhalten!
Mischa. Und Sie glauben, daß so ein Mensch Macht über mich gewinnen könnte? Sie glauben, ich würde erlauben, daß er ...
Maria Alexandrowna. Ich habe ihm gesagt, daß er es nicht wagen soll, sich vor meinen Augen zu zeigen, und es gibt nur ein Mittel, mit dem du dich rechtfertigen kannst: daß du jetzt deinen Trotz aufgibst und noch heute der Fürstin eine Deklaration machst.
Mischa. Aber Mütterchen, wenn das nicht möglich ist?
Maria Alexandrowna. Wieso ist das nicht möglich, wieso nicht?