Mischa. Ich verstehe, was Sie meinen, Mütterchen. Gestatten Sie mir, Ihnen meine Gedanken offen darzulegen. Wie auch die Verhältnisse sein mögen — es gibt jetzt in Rußland keinen Bräutigam, der nicht eine reiche Braut sucht. Jeder will seine Lage mit Hilfe der Mitgift seiner Frau verbessern. Das mag ja unter gewissen Verhältnissen verzeihlich sein: ich begreife, daß ein Mann, der im Dienste oder anderswo einen Mißerfolg gehabt hat, den vielleicht übermäßige Ehrlichkeit daran gehindert hat, sich ein Vermögen zu erwerben — kurz, was der Grund auch sein mag, — daß der ein Recht hat, sich eine reiche Braut zu suchen. Und vielleicht wären die Eltern ungerecht, die seine guten Eigenschaften nicht anerkennen und ihm ihre Tochter nicht zur Frau geben würden. Aber sagen Sie selbst: würde ein begüterter Mann gerecht handeln, der sich eine reiche Braut suchen wollte? Was sollte dann aus der Welt werden? Das ist doch ebenso, als wollte einer einen Mantel über seinen Pelz anziehen, wenn ihm schon ohnedies warm genug ist ... während dieser Mantel vielleicht jemand anderem die Schultern wärmen könnte. Nein, Mütterchen, das ist unrecht! Der Vater hat sein ganzes Vermögen der Erziehung seiner Tochter geopfert.

Maria Alexandrowna. Genug! Genug! Ich bin nicht imstande, mehr zu hören! Ich weiß schon alles — alles! Da hat er sich in eine Vagabundin verliebt, in die Tochter irgendeines Fourieurs, der vielleicht Gott weiß was treibt.

Mischa. Mütterchen ...

Maria Alexandrowna. Der Vater ist ein Säufer, die Mutter eine Köchin, und die Verwandtschaft besteht aus kleinen Polizeibeamten und Branntweinverkäufern! ... Und das alles muß ich mit anhören, muß das alles ertragen ... ertragen von dem eigenen Sohn, für den ich mein Leben nicht geschont habe! ... Nein, das werde ich nicht überleben!

Mischa. Aber Mütterchen, erlauben Sie ...

Maria Alexandrowna. Mein Gott, was für eine Moral haben denn die jungen Leute jetzt nur! Nein, das werde ich nie überleben, ich schwöre es dir, das werde ich nicht überleben ... Ah, wie wird mir, mir wird ganz schwindlig im Kopf. (Schreit auf.) Ach, ich habe Stiche in der Seite! ... Maschka! Maschka! Das Fläschchen! ... Ich weiß nicht, ob ich den Abend noch erleben werde! Grausamer Sohn!

Mischa (eilt auf sie zu). Mütterchen, beruhigen Sie sich. Sie schaden sich nur ...

Maria Alexandrowna. Und das alles hat dieser widerliche Sobatschkin angerichtet. Ah, ich weiß nicht, warum ich diese Pest bis jetzt noch nicht davongejagt habe.

Der Lakai (in der Tür). Sobatschkin ist gekommen.

Maria Alexandrowna. Was! Sobatschkin? Schickt ihn fort! Fortschicken, daß keine Spur mehr von ihm übrig bleibt!