Der andere. Nein, das nicht. Verstand hat er schon — doch erst nach dem Erscheinen der Zeitschrift, allein verspätet sie sich — ist so nichts in seinem Kopfe. Aber gehen wir doch. (Sie entfernen sich.)

(Zwei Kunstliebhaber.)

Der erste. Ich gehöre durchaus nicht zu denen, die immer nur zu Worten greifen, wie schmutzig, ekelhaft, schlechter Ton und ähnliches. Das ist doch eine fast bewiesene Sache, daß solche Worte meist aus dem Munde solcher kommen, deren Ton selbst zweifelhaft ist; sie sprechen vom Salon und werden nur im Vorzimmer empfangen. Aber von denen ist ja nicht die Rede. Ich spreche davon, daß das Stück keine Exposition hat.

Der andere. Ja, wenn man die Exposition in dem Sinne nimmt, wie sie gewöhnlich genommen wird, d. h. im Sinne einer Liebesintrige, so ist sie wirklich nicht vorhanden. Aber es scheint mir, daß es Zeit ist, mit der ewigen Berufung auf diese Exposition aufzuhören. Man muß nur scharf um sich blicken. Alles hat sich in der Welt längst geändert. Jetzt wird ein Drama durch das Bestreben der Helden exponiert, sich eine vorteilhafte Stellung zu erobern, zu glänzen, einen andern um jeden Preis in den Schatten zu stellen, Rache für eine Mißachtung, für eine Verhöhnung zu nehmen. Elektrisiert ein Amt, ein Kapital, eine vorteilhafte Heirat nicht mehr als die Liebe?

Der erste. Das ist ja alles sehr gut; aber auch unter diesem Gesichtspunkt finde ich keine Exposition in dem Stücke.

Der andere. Ich will jetzt nicht untersuchen, ob es in diesem Stück eine Exposition gibt oder nicht. Ich will nur sagen, daß man jetzt nur auf Einzelheiten achtet und die allgemeine Exposition überhaupt nicht sieht. Die Menschen sind einfach an diese unvermeidlichen Liebespaare gewöhnt, ohne deren Heirat kein Stück schließen kann. Gewiß ist auch das eine Exposition: aber was für eine! Ein Knoten im Zipfel eines Taschentuchs. Nein, eine Komödie muß sich selbst knüpfen — und zwar mit ihrer ganzen Masse, zu einem großen allgemeinen Knoten. Diese Exposition muß alle Personen umfassen, nicht nur eine oder zwei; muß berühren, was alle handelnden Personen mehr oder weniger tief ergreift. Hier ist jeder der Held: der Fluß, der Gang des Stückes bewirkt eine Erschütterung der ganzen Maschinerie. Kein einziges Rad darf stehen bleiben, als wäre es verrostet oder gehörte nicht zur Sache.

Der erste. Aber es kann doch nicht jeder der Held sein. Einer oder zwei müssen doch die andern leiten.

Der andere. Doch nicht leiten, sondern hervorragen. Auch in der Maschine bewegen sich bestimmte Räder bemerkbarer und stärker. Und man kann sie höchstens die Haupträder nennen; aber gelenkt wird das Stück durch eine Idee, durch einen Gedanken: ohne sie gibt es keine Einheit. Und exponieren kann alles: selbst das Entsetzen, die Angst der Erwartung, das ferne Gewitter des herannahenden Gesetzes ...

Der erste. Aber das heißt schon, der Komödie eine allgemeine Bedeutung zu geben.

Der andere. Ja ist denn das nicht ihre wahre und wirkliche Bedeutung? Schon von Beginn an war die Komödie eine öffentliche Angelegenheit des Volkes. Zumindest stellte sie sich so bei ihrem Vater Aristophanes dar. Später wurde sie in den Engpaß privater Beziehungen gedrängt, das Auf und Ab der Liebe wurde hineingetragen, immer dieselbe unvermeidliche Exposition. Und wie schwach ist sie deshalb selbst bei den besten Komödiendichtern! Wie nichtig sind diese Theaterliebhaber mit ihrer papierenen Liebe!