Herr P. (fortfahrend). Und weiter: was für Unsinn hat er hier zusammengeredet? Er sagte, ein wirklicher Staatsrat kann ein Schelm sein. Wenn es noch ein Titularrat wäre ... das wäre noch möglich ...

Herr W. Aber wollen wir doch gehen. Genug von dem Gerede; ich denke, alle Vorübergehenden haben schon erfahren, daß Sie ein wirklicher Staatsrat sind. (Beiseite.) Es gibt Menschen, die die Kunst besitzen, alles in den Schmutz zu ziehen. Wenn sie deinen eigenen Gedanken wiederholen, wissen sie ihn so banal zu machen, daß man rot wird. Wenn du eine Dummheit gesagt hast, die vielleicht noch durchschlüpfen könnte, so findet sich immer noch ein Freund oder Verehrer, der sie in Umlauf bringt und sie noch dümmer macht, als sie ist. Es ist wirklich ärgerlich — wie wenn man in den Dreck gestoßen wird! (Sie entfernen sich.)

(Ein Militär und ein Zivilist treten zusammen auf.)

Der Zivilist. So seid ihr Herren vom Militär! Ihr sagt: „Das muß man auf die Bühne bringen“, ihr seid bereit, euch über einen Zivilbeamten lustig zu machen; aber greift man irgendwie das Militär an, sagt man nur, daß in dem und dem Regiment einige Offiziere — von lasterhaften Neigungen ganz zu schweigen — sich zum Beispiel schlecht benehmen, schlechte Manieren haben — so seid ihr gleich bereit, mit einer Klage zum Reichsrat zu laufen.

Der Militär. Nein hören Sie: für wen halten Sie mich? Gewiß, es gibt auch unter uns solche Don Quijotes, aber glauben Sie mir, es gibt auch viele wahrhaft vernünftige Männer, die froh sein würden, wenn man die, die ihren Beruf schänden, dem allgemeinen Spott ausliefern würde. Ja, wo ist denn hier eine Beleidigung? Geben Sie uns nur mehr davon! Wir sind bereit, jeden Tag zuzuschauen.

Der Zivilist. So sind die Menschen, immer schreien sie: „Gib uns, gib uns“. Aber wenn du es tust, sind sie empört. (Sie entfernen sich.)

(Zwei Pekeschen.)

Die erste Pekesche. Man nehme zum Beispiel die Franzosen; aber bei ihnen ist das alles sehr nett. Erinnerst du dich unter anderem des gestrigen Vaudeville: sie entkleidet sich, legt sich ins Bett, nimmt die Salatschüssel vom Tisch und stellt sie unter das Bett. Das ist natürlich indezent, aber allerliebst. Das alles kann man sich ansehen, das verletzt nicht ... Meine Frau und meine Kinder gehen jeden Tag ins Theater. Aber hier — was ist das nun? Irgend ein Lump, ein Bauer, den ich nicht in mein Vorzimmer hineingelassen hätte, macht sichs mit seinen Stiefeln bequem, gähnt und stochert sich in den Zähnen — wirklich, was soll das bedeuten? Wie sieht das aus?

Die zweite Pekesche. Bei den Franzosen ist das eine andere Sache! Dort machts die societé, mon cher! Bei uns ist so etwas unmöglich. Bei uns sind die Autoren ohne jede Bildung: zum größten Teil sind es alles Zöglinge eines Seminars. Sie neigen zum Wein, zur Ausschweifung. Auch zu meinem Lakei kam immer so ein Autor: wo soll der also eine Vorstellung von der guten Gesellschaft hernehmen? (Sie entfernen sich.)

Eine Weltdame (in Begleitung zweier Herren, der eine trägt einen Frack und der andere eine Uniform): Was für Menschen, was für Personen hier vorgeführt werden! Nicht einer, der einigermaßen anziehend ist ... Warum schreibt man bei uns nicht so, wie die Franzosen schreiben, zum Beispiel Dumas und ähnliche. Ich verlange keine Muster von Tugend; zeigt mir eine Frau, die irrt, die ihren Mann betrügt, die sich zum Beispiel einer lasterhaften und verbotenen Liebe hingibt — aber stellt es mir so hinreißend dar, daß ich mit ihr mitfühle, daß ich sie lieb gewinne ... Hier dagegen ist eine Person immer ekelhafter als die andere.