Der Mann der ersten Dame (wendet sich an Herrn N.). Nun, du siehst doch, es kommt auf das gleiche hinaus — so ist der Geschmack der Frauen. In ihren Augen steht die banalste Tragödie höher als die allerbeste Komödie. Schon allein, weil es eine Tragödie ist ...
Die zweite Dame. Schweigen Sie, sonst werde ich wieder böse. (Wendet sich an Herrn N.) Nun sagen Sie, habe ich denn nicht die Wahrheit gesagt: ein Komödienschreiber muß doch unbedingt eine kalte Seele haben?
Der Mann der zweiten Dame. Oder eine glühende, denn ein reizbares Temperament fordert doch auch zum Spott und zur Satire heraus.
Die zweite Dame. Oder eine leicht erregbare Seele. Aber was bedeutet das? — Das bedeutet, daß der Anlaß zu diesen Werken immer nur Galle, Verbitterung, Empörung ist, wenn auch eine in jeder Hinsicht gerechte Empörung. Aber es fehlt das, was erkennen läßt, daß das Werk aus einer hohen Liebe zur Menschheit ... kurz aus Liebe geboren ward. Nicht wahr?
Herr N. Sehr richtig.
Die zweite Dame. Und nun sagen Sie: hat der Autor der Komödie Ähnlichkeit mit diesem Porträt?
Herr N. Wie soll ich Ihnen sagen? Ich kenne ihn nicht so gut, um über seine Seele urteilen zu können. Aber wenn ich überlege, was ich alles von ihm gehört habe, so muß er entweder ein Egoist oder ein sehr reizbarer Mensch sein.
Die zweite Dame. Nun sehen Sie, ich wußte es doch ganz genau.
Die erste Dame. Ich weiß nicht warum — aber ich möchte nicht, daß er ein Egoist wäre.
Der Mann der ersten Dame. Ah, da kommt unser Lakai, unser Wagen ist also vorgefahren. Leben Sie wohl. (Drückt der zweiten Dame die Hand.) Sie kommen doch zu uns, nicht wahr? Wir wollen doch bei uns zu Hause Tee trinken?