Die erste Dame (im Weggehen). Gern.

Die zweite Dame. Unbedingt.

Der Mann der zweiten Dame. Ich glaube, unser Wagen ist auch vorgefahren. (Folgen ihnen.)

(Zwei Zuschauer treten herein.)

Der erste. Erklären Sie mir nur das eine: wenn man jeden Akt, jede Person, jeden Charakter einzeln betrachtet, warum sieht man dann, daß alles wahr, alles lebendig und der Natur entnommen ist, und doch erscheint es im ganzen als etwas Ungeheuerliches, Übertriebenes, als eine Karikatur, so daß man sich nach Verlassen des Theaters unwillkürlich fragt: existieren denn wirklich solche Menschen? Und dabei sind es doch nicht eigentlich Verbrecher!

Der zweite. Nicht im geringsten — es sind durchaus keine Verbrecher! Sie sind einfach das, was das Sprichwort so ausdrückt: Kein böser Sinn, ein Schelm schlechthin.

Der erste. Und dann noch eins: diese ungeheure Anhäufung, dieses Übermaß — ist das nicht schon ein Fehler einer Komödie? Sagen Sie mir, wo gibt es eine Gesellschaft, die aus lauter solchen Menschen besteht, wo — wenn nicht die Hälfte — so doch mindestens nicht ein kleiner Bruchteil anständige Menschen sind. Wenn eine Komödie ein Bild, ein Spiegel unseres sozialen Lebens sein soll, so muß dieses sich in voller Deutlichkeit spiegeln.

Der zweite. Erstens ist meiner Meinung nach diese Komödie kein Bild, sondern eher noch eine Frontispice. Sie sehen, Szene und Schauplatz sind imaginär. Sonst hätte der Autor wohl keine Fehler und keine offensichtlichen Anachronismen begangen und nicht manche Personen solche Worte sagen lassen, die weder ihrem Charakter noch der Stellung, die sie einnehmen, entsprechen. Nur die erste Gereiztheit hat das für eine persönliche Anspielung nehmen können, worin auch nicht einmal ein Schatten von Persönlichem liegt und was mehr oder weniger allen Menschen eigen ist. Das ist vielmehr ein großer Sammelpunkt: von überall her, aus allen Winkeln Rußlands sind hier alle Abnormitäten, alle Mißbräuche und Verirrungen zusammengeströmt, um einer Idee zu dienen und dem Zuschauer eine lebhafte edle Abscheu vor vielem Häßlichen und Niedrigen einzuflößen. Der Eindruck wird aber immer größer, weil keine der dargestellten Personen alles Menschliche verloren hat: überall klingt dies Menschliche hindurch. Dadurch wird die seelische Erschütterung noch tiefer, und wenn der Zuschauer lacht, wendet er sich unwillkürlich um, wie wenn er fühlte, daß ihm das ganz nahe ist, worüber er lachte, und daß er jeden Augenblick darüber wachen muß, daß es nicht in seine eigene Seele hinüberfließe. Am amüsantesten mußte wohl folgender Vorwurf für den Autor sein, wie ich glaube. „Warum sind seine Personen und Helden nicht sympathisch?“ während er doch alles getan hat, um sie recht abstoßend zu machen. Und wenn auch nur ein anständiger Mensch in die Komödie hineingebracht worden wäre, mit der ganzen Anziehungskraft, die von einem solchen ausgeht, so hätten sich alle, bis auf den Letzten, auf die Seite des anständigen Menschen gestellt und die ganz und gar vergessen, vor denen sie jetzt so erschrocken sind. Diese Gestalten würden uns vielleicht nach der Vorstellung nicht so verfolgen, wie wenn sie lebendig wären; der Zuschauer nähme kein schmerzliches Gefühl aus dem Stück mit und würde sich nicht fragen: „Existieren denn wirklich solche Menschen?“

Der erste. Gewiß. Aber das wird man doch nicht gleich begreifen.

Der zweite. Sehr natürlich. Der innere Sinn der Sache wird immer erst nachher verstanden. Und je lebhafter, je deutlicher die Gestalten sind, in denen er sich verkörpert und auf die er sich verteilt, um so mehr bleibt die allgemeine Aufmerksamkeit an diesen Gestalten haften. Nur wenn man sie zusammenaddiert, erhält man die Summe und den Sinn einer solchen Schöpfung. Aber solche Zeichen schnell zergliedern und addieren, sie sogleich auf den ersten Blick lesen — das kann nicht jeder; und bis dahin wird man immer nur Zeichen sehen. Und ich sage es Ihnen im Voraus, Sie werden es noch erleben: vor allem wird jedes Kreisstädtchen in Rußland in Empörung geraten und behaupten, daß das eine böse Satire, eine platte und gemeine Erdichtung ist, die sich offen gegen dies Städtchen richtet. (Sie entfernen sich.)