Polizeimeister. In andern Städten, so wage ich zu behaupten, haben Behörden und Beamte mehr ihren eigenen Vorteil im Auge; hier aber, das darf ich wohl sagen, waltet nur das eine Streben: durch Ordnung und Fürsorge sich das Wohlwollen seiner Obrigkeit zu verdienen.
Chlestakóff. Das Frühstück war ausgezeichnet; ich habe mich ordentlich überessen. Gibt es so was bei Ihnen alle Tage?
Polizeimeister. Lediglich zu Ehren eines hochwillkommenen Gastes.
Chlestakóff. Ich esse gern mal gut. Dafür lebt man ja doch schließlich, um die Blüte des Daseins zu pflücken. Wie hieß doch noch der Fisch?
Hospitalverwalter (vortretend). Laberdan, Ew. Gnaden.
Chlestakóff. Sehr schmackhaft! Wo speisten wir doch? Im Lazarett, nicht wahr?
Hospitalverwalter. Sehr wohl, Ew. Gnaden, im Hospital.
Chlestakóff. Ach ja, ich erinnere mich, da standen Betten. Die Kranken sind wohl geheilt? Viele schienen da nicht zu sein.
Hospitalverwalter. Höchstens zehn Mann, mehr nicht; die übrigen sind alle geheilt. Das ist eben die Wirkung der vorzüglichen Ordnung. Seitdem ich die Verwaltung übernahm — es wird Ihnen freilich kaum glaubhaft erscheinen — seitdem werden sie alle gesund wie die Fliegen. Kaum kommt ein Kranker ins Lazarett, und schon ist er geheilt; und das weniger durch Medikamente als durch unsere Redlichkeit und Pflichttreue.
Polizeimeister. Und wie aufreibend — verzeihen Sie die Kühnheit — wie aufreibend die verantwortungsvolle Tätigkeit eines Stadtoberhauptes! Sachen jeder Art häufen sich, um nur der öffentlichen Bauten, der Reparaturen und der Straßenreinigung zu gedenken ... mit einem Wort, der klügste Mann käme in Verlegenheit — doch, Gott sei Dank, hier bei uns geht alles wie am Schnürchen. Ein andrer Polizeimeister würde da zweifellos an seinen eigenen Vorteil denken; aber wollen Sie es mir glauben, daß ich jeden Abend vor dem Schlafengehen für mich bete: „Herr, mein Gott, lenke meine Taten, damit die Obrigkeit meinen Eifer erkenne und zufriedengestellt sei!“ ... Selbstverständlich ist es ihr freier Wille, ob sie mich belohnen will oder nicht, aber ich für mein Teil habe wenigstens ein reines Gewissen. Ist die Stadt überall wohlbestellt, sind die Straßen gesäubert, die Gefangenen gut gehalten und wenig Betrunkene zu sehen ... was will ich dann mehr? Bei Gott, nach Auszeichnungen strebe ich nicht. Gewiß haben sie viel Verlockendes, aber vor der Tugend sind sie nichts wie eitel Nichtigkeit und Staub.