Anna Andréjewna. Nun also, und gerade den Ihren habe ich gelesen. Wie prachtvoll geschrieben!

Chlestakóff. Offen gestanden, ich lebe für die Literatur. Ich führe das erste Haus in Petersburg. Stadtbekannt ist es, das Haus des Iwán Alexándrowitsch. (Sich an alle Anwesenden wendend.) Machen Sie mir doch das Vergnügen, meine Herrschaften, wenn Sie mal in Petersburg sind, bitte, bitte, besuchen Sie mich. Ich gebe auch Bälle.

Anna Andréjewna. Ich kann mir vorstellen, wie stilvoll und glänzend diese Bälle sein müssen!

Chlestakóff. O durchaus nicht, ganz schlicht. Auf dem Tisch zum Beispiel eine Wassermelone — das heißt, so eine für siebenhundert Rubel. Die Suppe in einer Kasserole direkt per Dampfer aus Paris bezogen; man hebt den Deckel ab — ein Duft, wie es nichts Köstlicheres in der Welt gibt! Ich gehe jeden Tag auf den Ball. Dort habe ich auch meine Whistpartie: der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, der französische Botschafter, der deutsche Botschafter und ich. Wir verbeißen uns oft derart ins Spiel, daß man’s kaum beschreiben kann. Rennt man dann nach Haus und klettert in seine vierte Etage hinauf — kann man grade noch zur Köchin stammeln: Mawrúscha, den Überzieher ... Was plappere ich denn — ich vergaß ja, ich wohne doch Beletage, nur eine Treppe hoch ... Auch sehr interessant, mein Antichambre zu sehen, ehe ich mich morgens erhoben habe: da drängen sich Grafen und Fürsten und sumsen wie die Hummeln, man hört nur: sum, sum, sum; zuweilen, wenn der Minister ... (Polizeimeister und die übrigen Herren erheben sich ehrfurchtsvoll von den Sitzen.) Selbst auf meinen Paketadressen steht: an Seine Exzellenz ... Einmal habe ich sogar das Departement geleitet. Das war ganz komisch; der Chef war verreist, keiner wußte wohin. Nun ging natürlich das Gerede los; was macht man, wer soll die Stelle ausfüllen? Viele Generale kamen als Bewerber, treten ein, versuchen — nein, zu schwer! Es scheint ganz leicht, aber näher zugesehn — unmöglich, hol’s der Teufel! Kaum sehn sie, daß es nicht geht — zu mir! Und im selben Augenblick durch die Straßen: Kuriere, Kuriere, Kuriere ... Stellen Sie sich bloß vor: fünfunddreißigtausend Kuriere! Da frage ich Sie doch, welche Situation! „Auf, Iwán Alexándrowitsch, aufs Departement!“ Ich war, offen gestanden, etwas verblüfft, kam im Schlafrock heraus, wollte absagen, denke mir aber: wenn das bis vor Majestät kommt, na, und das Avancement ... „Schön, meine Herren, ich komme, ich komme,“ sage ich, „abgemacht, ich komme; aber daß mir keiner, na, na, na! ich habe feine Ohren, ich will euch ...“ Gesagt, getan: ich quer durchs Departement, das reine Erdbeben, alles schwankt und zittert wie Espenlaub. (Polizeimeister und die Übrigen beben vor Schreck; Chlestakóff erhitzt sich noch stärker.) O ich spaße nicht; ich habe es ihnen allen beigebracht! Selbst der Staatsrat fürchtet sich vor mir. Warum auch nicht? Das ist so meine Art! Ich nehme auf niemand Rücksicht ... Zu jedem sage ich: „Ich weiß alleine Bescheid!“ Ich bin überall, überall. Jeden Tag fahre ich zu Hofe. Morgen werde ich gleich zum Feldmarsch... (schwankt und fällt beinahe zu Boden, wird aber von den Beamten ehrfurchtsvoll gestützt.)

Polizeimeister (tritt näher und versucht, am ganzen Leibe zitternd, zu sprechen). Aber E... E... E...

Chlestakóff (in heftigem, befehlendem Ton). Was wollen Sie?

Polizeimeister. Aber E... E... E... E...

Chlestakóff (im gleichen Ton). Verstehe gar nichts, alles Unsinn.

Polizeimeister. Euer E... Ex...zellenz befehlen vielleicht etwas auszuruhen ... Hier ist ein Zimmer, alles ist bereit.

Chlestakóff. Blödsinn — ausruhen! Meinetwegen auch ausruhen ... Ihr Frühstück, meine Herren, famos ... sehr zufrieden, sehr zufrieden .... (mit Emphase.) Laberdan! Laberdan! (Ab ins Nebenzimmer, gefolgt vom Polizeimeister.)