Polizeimeister. Floh hin, Floh her; jedenfalls sind Sie gewarnt, meine Herren. Sehen Sie sich vor! Ich für meinen Teil habe schon so meine Maßregeln getroffen, tun Sie das gleiche. Namentlich rate ich’s Ihnen, Artémij Filíppowitsch! Der durchreisende Revisor wird zweifelsohne vor allem die Ihnen unterstellten Krankenhäuser inspizieren wollen —, drum sorgen Sie dafür, daß alles tadellos sei. Daß die Nachtmützen hübsch rein sind und die Kranken nicht wie die Kesselschmiede aussehen, wie das sonst gewöhnlich der Fall ist.
Hospitalverwalter. Na, wenn’s weiter nichts ist — reine Nachtmützen können sie kriegen.
Polizeimeister. Gut. Und an jedem Bett muß auf lateinisch oder in einer andern fremden Sprache ... das wäre dann eben Ihre Sache, Herr Doktor — muß jede einzelne Krankheit angeschrieben stehen, Datum der Erkrankung, genau auf Jahr und Tag ... Es ist auch gar nicht schön, daß Ihre Kranken einen so starken Tabak rauchen, daß, wer hereinkommt, immerzu niesen muß. Noch besser, wenn überhaupt weniger Kranke da wären; sonst wird gleich der schlechten Verwaltung oder der Unfähigkeit des Arztes schuld gegeben.
Hospitalverwalter. Oh, was die ärztliche Behandlung anbetrifft, so bin ich mit dem Herrn Doktor längst übereingekommen: je naturgemäßer, desto besser — teure Arzeneien brauchen wir nicht. Gewöhnliches Volk: stirbt’s, dann stirbt’s, bleibt’s leben, dann bleibt’s eben leben. Auch könnte sich der Herr Doktor ja doch nicht mit ihnen verständigen: er versteht ja kein Wort Russisch.
Christian Iwánowitsch, der Arzt (gibt Laute von sich, die halb wie i und halb wie e klingen).
Polizeimeister. Auch Ihnen, Ammós Fjódorowitsch, möchte ich raten, einmal nach Ihrem Gerichtslokal zu schauen. Im Vorzimmer, wo sich die Klienten versammeln sollen, haben Ihre Gerichtsdiener die ganzen Hausgänse mit ihren Jungen untergebracht, die einem dort fortwährend zwischen die Beine geraten. Sich um die Wirtschaft kümmern, ist gewiß lobenswert, und warum sollte das ein Knecht auch nicht tun; aber an einem solchen Ort, sehen Sie, paßt sich das doch nicht. Ich wollte das schon eher sagen, habe es aber wieder ganz verschwitzt.
Kreisrichter. Ich lasse sie gleich sämtlich in die Küche schaffen. Kommen Sie doch zum Essen herüber.
Polizeimeister. Schlimm ist’s auch, daß der Sitzungssaal so von Schmutz starrt und daß mitten auf dem Aktentisch Ihre Hundepeitsche liegt. Ich weiß wohl, Sie sind ein großer Jagdfreund, doch besser wär’s, sie wenigstens jetzt wegzunehmen; ist der Revisor erst wieder fort, dann können Sie sie ja meinetwegen wieder hinlegen. Und dann Ihr Beisitzer! Der Mann ist ja wahrscheinlich sehr tüchtig, aber er verbreitet einen Duft, als ob er geradenwegs aus der Branntweinschänke käme — das taugt auch nicht. Schon längst wollte ich mal davon reden, wurde aber, ich weiß nicht wie, davon abgebracht. Es gibt Mittel dagegen, selbst wenn wirklich, wie er behauptet, ihm dieser Geruch angeboren wäre: man könnte ihm Zwiebeln oder Knoblauch zu essen geben oder irgendwas ähnliches. Für diesen Fall kann ja der Herr Doktor mit Medikamenten zu Hilfe kommen.
Christian Iwánowitsch, der Arzt (gibt die vorerwähnten Laute von sich).
Kreisrichter. Nein, das läßt sich nicht vertreiben; er sagt, als Kind habe ihn seine Amme einmal verprügelt, und seit der Zeit müsse er immer etwas Branntwein ausschwitzen.