10. Szene
Chlestakóff. Kaufleute (mit Weinkörben und Zuckerhüten).
Chlestakóff. Was wollt ihr, lieben Leute?
Kaufleute. Klagen kommen wir vor Eure Barmherzigkeit.
Chlestakóff. Worum handelt es sich?
Kaufleute. Laß uns nicht verderben, allergnädigster Herr! Unschuldig richtet er uns zugrunde!
Chlestakóff. Wer?
Einer der Kaufleute. Alles unser Polizeimeister! Herr, so einen Polizeimeister hat’s noch nie gegeben. Was der uns für Niedertracht antut, das is nich auszudenken. Hat uns so ausgeplündert, daß man bloß noch ’ne Schlinge um den Hals braucht. Wie geht er auch mit einem um! Kriegt einen beim Bart zu packen und sagt: „Ach du Tatarenhund!“ Bei Gott, das tut er! Wenn wir ihm noch hätten was abgehen lassen; aber wir tun ja alles, was wir nur können: was er verlangen kann zu Kleidern für seine Frau und seine Tochter — daran läßt man’s ja nicht fehlen. Aber, siehste, das is ihm alles noch nich genug! Kommt in den Laden rein, und was ihm in die Hände fällt, alles nimmt er mit: sieht er ’n Stück Stoff: „He, Freundchen, schöner Stoff; trag ihn mal zu mir rüber!“ Nu und man muß ’n ihm hintragen, und dabei sind’s doch wenigstens fünfzig Ellen!
Chlestakóff. Nicht möglich? Ist das ein Spitzbube!
Kaufleute. Wirklich wahr! Auf so’n Polizeimeister kann sich keiner nich besinnen. Man versteckt schon alles im Laden, wenn man ihn kaum kommen sieht. Nich mal feine Sachen nur nimmt er, nein, er nimmt jeden Dreck: Backpflaumen, die schon sieben Jahr in der Tonne liegen und die bei uns kein Hausknecht fressen möchte — aber er steckt sich so ’ne Handvoll davon da rein. Auf St. Anton ist sein Namenstag, und man denkt nu, man hat alles gegeben, was er nur brauchen kann: nein, noch mehr soll man geben; er sagt, auf St. Onuphrius hätt’ er auch noch ’n Namenstag. Was soll man nu tun? Man muß auch den St. Onuphrius feiern.