Zu einer Heerschar zu verdichten,
Um, wenn er Pskow den Tod gebracht,
Rußland für immer zu vernichten!
Doch du, o heil’ges Vaterland,
Du hehre Liebe unsrer Ahnen,
Du riss’st das Schwert aus seiner Hand.
Nicht siegten diesmal seine Fahnen.
Diese nüchterne, ruhige Heldenkraft, die sich zuweilen sogar unwillkürlich mit einer prophetischen Verherrlichung Rußlands verbindet, entspringt daraus, daß der Gedanke unbewußt an die höchste Vorsehung rührt, deren Walten so deutlich in den Schicksalen unseres Vaterlandes zum Ausdruck kommt. — Außer der Liebe aber ist hieran auch noch das tiefe, innere Entsetzen über die Vorgänge beteiligt, die sich durch Gottes Willen auf jenem Stück Erde abspielen sollten, jenem Stück Erde, das dazu bestimmt war, unser Vaterland zu werden, sowie die Vorahnung eines neuen, herrlichen Baus, der sich, zunächst noch nicht für alle sichtbar, errichtet, dessen Wachsen nur der Dichter mit dem scharfen Ohr der Poesie, das alles hört, oder ein solcher Seelenkenner, der schon im Samen die künftige Frucht erkennt, zu vernehmen vermag. Heute beginnen allmählich auch die andern Menschen etwas davon zu erkennen, aber sie drücken sich so unklar aus, daß ihre Worte Torheit zu sein scheinen. Du hast unrecht, wenn du annimmst, daß die heutige Jugend, wenn sie vom Slawentum träumt und prophetisch von Rußlands Zukunft spricht, einer Modeströmung folgt. Sie verstehen es nicht, ihre Gedanken in ihren Köpfen ausreifen zu lassen, und beeilen sich, sie der Welt zu verkünden, ohne zu bemerken, daß ihre Gedanken noch törichte Kinder sind — das ist alles. Auch bei den Juden lehrten gleichzeitig vierhundert Propheten: von diesen war gewöhnlich nur einer der Gesandte Gottes, dessen Reden in das heilige Buch des jüdischen Volkes eingetragen wurden; alle andern werden viel Unnützes und Überflüssiges zusammengeredet haben, trotzdem aber haben wohl auch sie dunkel und unklar dasselbe vernommen, was die Auserwählten klar und verständig auszusprechen wußten; sonst hätte das Volk sie sicherlich gesteinigt. Warum sind denn weder Frankreich, noch England, noch Deutschland von dieser Strömung ergriffen und prophezeien und künden nicht von sich selbst, warum tut dies Rußland allein? Nun, weil Rußland es deutlicher fühlt, wie Gottes Hand auf allem ruht, an allem teilhat, was sich mit unserem Lande zuträgt, und weil es ein neues Reich herannahen fühlt. Daher die biblischen Töne bei unseren Dichtern. Daher kann solches bei den Dichtern anderer Nationen nicht vorkommen, und wenn sie ihr Vaterland noch so innig lieben und dieser Liebe einen noch so glühenden Ausdruck zu geben vermögen. Und hier darfst du nicht mit mir streiten, mein herrlicher Freund.
Doch laß uns nun zu dem andern Gegenstande übergehen, an dem sich die Lyrik unserer Dichter gleichfalls zu jenem hohen, lyrischen Schwunge erhebt, von dem hier die Rede ist: laß uns der Liebe zum Zaren gedenken. Die zahlreichen Hymnen und Oden auf unsere Zaren haben unserer Poesie schon seit den Zeiten Lomonossows und Dershawins jene erhabene, königliche Note verliehen. Daß diese Gefühle aufrichtig sind, darüber brauchen wir wohl nicht erst zu sprechen. Nur Geister von kleinlichem, nörgelndem Witz, der nur karger, blitzartiger, oberflächlicher Gedanken und Erwägungen fähig ist, werden dahinter nichts wie Schmeichelei und den Wunsch, einen Vorteil für sich herauszuschlagen, suchen, und werden diese Behauptung auf ein paar unbedeutende und schlechte Oden jener Dichter gründen. Der dagegen, der nicht nur geistreich, der mehr ist, der Einsicht und Weisheit besitzt, wird bei jenen Oden Dershawins verweilen, in denen er den weiten Kreis nützlicher, wohltätiger Wirksamkeit vor dem Herrscher beschreibt, und wo der Dichter selbst mit Tränen in den Augen zu ihm von den Tränen spricht, die den Augen — nicht nur der Russen — nein auch gefühlloser Wilden, die an den äußersten Enden seines Reiches wohnen, entströmen würden bei der bloßen Berührung mit der Milde und Liebe, die nur die allmächtige Hand des Herrschers ihrem Volke erweisen kann. Hier ist vieles zu so gewaltigem Ausdruck emporgehoben, daß selbst, wenn sich einmal ein Herrscher finden sollte, der für eine Zeitlang seine Pflicht vergäße, er sich beim Lesen dieser Zeilen unfehlbar wieder seiner Schuldigkeit erinnern und von tiefer Rührung über die Heiligkeit seines Amtes ergriffen werden würde. Nur kaltherzige Menschen werden Dershawin wegen seiner übermäßigen Verherrlichung Katharinas tadeln; der dagegen, der keinen Stein an Stelle des Herzens hat, der wird die herrlichen Strophen nicht ohne Rührung lesen, in denen der Dichter davon spricht, daß, wenn seine Gestalt in Marmor gehauen auf die Nachwelt kommen sollte, dies nur deshalb geschehen werde,
Weil ich die Kaiserin besang,