„Acht Jahre?” versetzte der Sattler, „und dann?”

„Dann geh ich in die Stadt!”

„Du hast's gut vor, Trudel, acht Jahre sind schnell herum! Aber das Riesele muß sein ganzes Leben lang in der Schule bleiben!”

„Muß es?” fragte Trudel.

Gustav kam herbei und hielt ihr den Mund zu, denn der Polizeidiener stand an der Straßenecke und rief etwas aus. Er rief aus, daß von morgen ab das Betreten der Weinberge verboten sei!

Und dann kam er schnurstracks an die Treppe des Sattlers, griff dem Riesele in die Mähne und sagte zu den Kindern:

„Höchste Eisenbahn, daß er sein Halfter ankriegt, der Tagdieb, sonst hätt' ich ihn morgen gleich ins Wachtstübchen gesteckt!”

„Sonderbare Welt das,” dachte Trudel, und die Buben dachtens auch, „der Sattler will Riesele nicht mehr aus der Schule lassen, der Polizeidiener will's gar ins Kittchen stecken!”

Noch am Abend holten die vier das Halfter ab, strippten es Riesele um den Kopf und führten es heim in den Stall, wo der Vater es neben seiner Mutter ankettete, jedoch so kurz, daß es nicht, wie es wollte, stets an der Mutter Zitzen saufen konnte.

Von nun an also stand Riesele gleich den Erwachsenen im Stall. Doch jeden Tag durfte es etliche Stunden lang, an einen Pfahl gebunden, auf der Wiese kreisen, eng umzirkt zwar, doch immerhin draußen in einer gewissen Freiheit. Gar oft, — ach, wer konnte dem lieben Tierlein gegenüber so entsetzlich streng sein? — durfte es frei umherspringen, wohin es wollte, und durfte seine Bubenstreiche vollbringen, die ihm jedermann schon verzieh, bevor sie begangen waren.