„Eine Mehlsuppe soll sie haben, Vatter!”

„Meintwegen, koch ihr eine Mehlsuppe! Los, Buben, 's Federvieh gefüttert!”

Die Bäuerin wischte mit der Sackschürze dem Gäulchen über die glänzenden Schenkel, trat aus dem Stall, schlüpfte treppauf in die Holzschuhe und schlappte in die Küche, das Getränk zu kochen. Gustav warf oben von der Treppe herab Gerste und Mais in vollen Händen weithin, und das Federvieh schoß aus allen Winden drauf zu, laut und gierig, und auch der Hahn tat, als könne er nicht genug bekommen, obwohl er doch sonst gern den Anschein erweckte, daß er vom Winde lebe!

Drüben aber in den Wiesen erging sich das Schwesterchen, tappte hierhin und dahin, sammelte sich die großsternigen Kuhblumen, die millionenhaft den Abhang überblühten, und das freundlich gelbe Scharbockskraut, dessen Blüten wie kleine Sonnen zerstrahlten. Einen ganzen Arm voll Gelb und Weiß stellte das Kind, das auch Trudel hieß, in sein Eimerchen, ließ an dem fließenden Quellrohr, in dessen Trog ein Entlein schwamm, Wasser ins Eimerchen laufen und hob die zarte Herrlichkeit ans Stallfenster hinauf, daß das junge Füllen, wenn es komme, gleich einen Gruß von ihr habe.

Der Nachbar mähte die erste Blust seiner Wiesen vorm Hause ab, ein gelbweißer breiter Weg schob sich in die weißübertupfte Farbenpracht, und seine Kinder zogen aus dem niedergemähten Gras die Blumen heraus, weil sie nicht in die Wiesen treten durften.

Trudelchen sprang zu ihnen hin und verkündete, daß heute nacht ein kleines Gäulchen ankommen werde.

Die Mutter rief zum Essen, der Vater schloß die untere Stalltür, die Schwalben kamen heim, das Federvieh schlief, die Sonne schlief, die Blütenpracht ward überdunkelt, das Glöcklein des spitzen Kirchturmes bimmelte sich schläfrig, das Gras duftete, ein Kohlweißling flatterte übermüdet vorüber, da setzte sich die Familie ans Abendessen.

Und dann sogleich wurden die Kinder ins Bett gesteckt.

„Einen Fuchs gibt's!” sagte August leise.

„Ein Schimmelchen!” entgegnete Gustav.