Als Dauphin dann doch die Augen aufschlägt, schleppen Sklaven und Sklavenpferde den Thronsaal, ein werktägiges Balkengerüst, fort, eine Dame hängt am Trapez, und alle Leute sehen nach der Dame! ...
Da springt Dauphin auf und davon und schämt sich, weil er es so eilig hat! Der Wärter empfängt ihn draußen, die Menge klatscht wieder, die Kinder rufen nach ihm, aber der Wärter zerrt ihn an den Ohren am großen Spiegel vorbei nach dem Stalle zu.
Vor den Ställen stehen fünfundsechzig Pferde beisammen. Mit Ehrfurcht in den Augen sehen sie den kleinen Dauphin kommen, lassen die Köpfe hängen, bewegen sich nicht, heben die Augen und sehen gleich wieder weg. Wallenstein steht auch da; er knappert mit den Zähnen am Randblech eines Wagendaches. Dauphin schiebt sich zu ihm hin. Der Große läßt den Kopf über den Hals des Kleinen sinken, als wolle er das Wunderkind beschützen, und dieses reibt die Stirn an den straffen Lippen Wallensteins: der Kuß der Königin brennt ihn!
Der Direktor kommt herzu, gibt Dauphin ein Stück Zucker und sagt:
„Heut Nacht darfst du bei Wallenstein schlafen!”
Der starke Wallenstein tritt mit dem feinnervigen Künstler Dauphin in sein Stallzelt. Sie fressen aus einer Krippe und legen sich bald zum Schlafe nieder, und Dauphins Köpfchen ruht auf Wallensteins festem Halse.
Dauphin kann nicht einschlafen: er spürt den Kuß der Königin auf der Stirn und sieht auch wohl den großen Spiegel vor Augen. Dann schläft er doch ein Weilchen: es ist ihm, als kämen tausend Kinder zu ihm in die Arena, als streichelten sie ihn, als küßten sie ihn alle auf denselben Fleck der Stirn.
Er erwacht wieder, schiebt den Kopf nach Wallensteins Ohren und reibt dort hin und her, und Wallenstein schnarcht, hebt den Kopf und läßt ihn wieder sinken und schnarcht weiter.
Steif hochauf reckt Dauphin den schlanken Kopf in die stille Nacht der Genossen und läßt die schweren Lippen von den Zähnen weghängen und die breiten weißen Zähnchen aufleuchten.
Am Morgen, da Dauphin, allen Schmuckes bar, zur Probe am Spiegel vorübergeht, sieht er auf seiner Stirn sicher zum erstenmal in seinem Leben die weiße Blesse!