„Was kannst du noch, Freund Dauphin?”
„Sonst kannst du nichts?” fragte schelmisch die sanfte Königin und lächelte und schüttelte das gekrönte Haupt, als wisse sie genau, daß Dauphin noch etwas ganz Besonderes könne, und zu ihrem hohen Gemahl sagte sie hinüber:
„Versprachen Sie mir nicht: Dauphin übertreffe seinen Ruf?”
Da kam zum Glück der Direktor mit seiner Leiter, und nun fiel es dem kleinen Gäulchen ein, daß es noch etwas könne: Es stieß heftig den Atem durch die Nüstern, sah zu den zwei Buben, die bei einem Offizier saßen, die es schon öfter betrachtet hatte, als spiele es nur für sie, und schritt so seinem Direktor entgegen. Dieser stützt die Leiter auf, und Dauphin hebt den linken Vorderfuß auf die erste Sprosse der Leiter, dann den rechten und steigt so Sprosse um Sprosse hinauf bis zur fünften. Nun wirft er den Kopf hoch, drückt sich ab, steht frei, fest und stabil, ohne den Schwung der Freidressur, auf den Hinterbeinen und marschiert so im raschwechselnden Rhythmus der volldröhnenden Musikkapelle in allen Gangarten durch die Arena hin. (Die Kinder denken an ihr Spielzeug, das eine Feder im Bauch hat!)
Der Marsch bricht ab! Dauphin steht wieder auf den vier Beinen. Einen Augenblick nur steht er so da und rennt nun im Kreise herum, toll vor Glück, schießt nacheinander sieben Kanonen ab, auf denen der kaiserliche Adler prangt, und rast durch den Vorhang hinaus.
Kommt sofort wieder, läuft schnurstracks auf die beiden Buben zu, biegt kurz ab, als habe er sich geirrt, und kniet plötzlich vor dem Thron des Königs und der Königin nieder.
Und nun geschieht's: Die Königin erhebt sich von ihrem Thron! Mit einem blauen Seidentüchlein wischt sie sich über die feuchten Augen, kommt herab zu Dauphin, beugt sich weit vor, daß ihre Gewänder steil von den schmalen Schultern herunterfließen, daß ihre Krone fast wankt, und küßt Dauphin auf die weiße Blesse ...
Dauphin hört und sieht nichts mehr, hält die Augen geschlossen und spürt diesen warmen Kuß auf der Stirn. Er reckt geschlossenen Auges den Kopf steil in die Höhe, entblößt die Zähne von den Lippen, läßt den Kopf niedersinken, läßt ihn tief herabsinken und weiß offenbar nicht, was er tun soll.
Zwar hört er allerlei Geklopf und Getick, aber er verharrt in seiner Verzückung, und die Menschen klatschen ihm und lächeln sich an vor Glück und Freude über das geküßte Kind.