Dann mußte Dauphin mit den Buben übern Platz laufen, rundum, so schnell er konnte, und dann lief er noch lange allein, da die Buben schon müde waren und auf den im Erdboden steckengebliebenen Zeltpfählen hockten.
Der General hob nunmehr die Sacktür, und Dauphin schlüpfte in den Stall. Der General kam, der Direktor, der Wärter und die Buben kamen; aber Dauphin wurde angebunden, und alle gingen wieder fort.
Dauernd sah Dauphin nach der Sacktür, und alle seine Gefährten sahen hin und machten große, glotzige Augen wie Kühe.
Und siehe, gegen Abend — Dauphin war ganz allein im Stalle — schlüpften die Generalsbuben herein, banden sich Dauphin los und stürmten mit ihm, der stets zu tollen Streichen aufgelegt war, übern Platz an den Wohnwagen, und am Wohnwagen hob ein Soldat aus einem zweiräderigen, gelbgestrichenen Kastenwägelchen ein Kummet und schob es Dauphin übern Kopf. In die Schere ward Dauphin eingeschoben, die Buben sprangen auf, der Soldat sprang auf — Dauphin hatte in der Arena schon allerhand Wagen gezogen und sogar schon Kanonen — und husch gings übern Platz hin und her und rundum und dann hopp, hopp, übers Pflaster in die Stadt hinein durch alle Straßen hin, an hunderttausend Menschen vorbei und zur Stadt hinaus an den Fluß. Eine Wonne war's, mit eigener Muskelkraft solche Dinge zu vollbringen! Dauphin achtete, ob nicht der weiße Husarenbüschel an seine Ohren wedele, ob nicht seine goldverbrämte Purpurdecke ihn jucke oder sonstwie sich bemerkbar mache.
Eine winzige Kaserne war in die Erde gebaut, und nur die Seite, wo Drilchsoldaten Pfeife rauchten, war zu sehen. Ueber dem Portale stand dick in schwarzen Lettern: Fort Großherzog von Hessen! Der größere Preußenbub bog sich zum Soldaten und sagte:
„Nach Fort fehlt ein Komma oder ein Ausrufezeichen!”
„Oho!” entgegnete der Soldat, „das werd' ich aber Madame sagen, daß du nicht weißt, was ein Fort ist, und daß du gar einen gekrönten Fürsten aus seinem Reich vertreiben willst!”
Draußen am Fluß stellten sich die Buben im Wagen auf und nahmen Leine und Peitsche, und der Soldat blieb sitzen. Sie schlugen Dauphin an die Lenden, aber das tat nicht weh! Dauphin lief wie noch nie in seinem Leben, und sein Herz flog vor ihm her.
Drüben im Schatten trottelte die verwahrloste Kleinkinderschule. Als Dauphin sie kaum gesehen, war sie schon hinter ihm. Dauphin wieherte laut, was heißen konnte:
„Schreit doch, ihr Generalsbuben, lacht doch, schlagt mich doch, tobt euch doch aus an mir, ich bin auf dem Höhepunkt meiner physischen Kraft!”