Ein großer Sandplatz schob sich in den Wald hinein zu beiden Seiten der Straße. Ein Flieger stieg hinten auf, ließ Leuchtkugeln rudelweise in die Dämmerung fallen; Kanonen, die auf Wällen standen, richteten ihre Rohre nach ihm, und Kommandos erschallten weithin. Infanteristen gingen, ausgeschwärmt, durch die Gräben über die Straße, rasselten an den Schlössern ihrer Gewehre, und viele verloren, weil sie vor dem rasenden Dauphin förmlich flüchten mußten, in der Eile etliche ihrer Patronenhülsen.

Tausend Gäule — war nicht Wallenstein dabei? — trabten am Waldrand, indeß Kanoniere, an langen Seilen geschultert, schwere Geschütze durch den Sand zogen. Hinterm Wall aus dem Wald kam heftiges Geknatter, und Dauphins Fußeisen knatterten nicht minder heftig auf der Steinstraße.

Plötzlich stand der General da mitten auf der Straße, Dauphins Befreier!

Dauphin rannte zu ihm hin und blieb halten. Aus seinen Nüstern stieß sich sein Atem, sein ganzer Körper dampfte, die Adern am Kopf waren fingerdick geschwollen: Das war die Kraft, die in ihm stak, die sich freimachte und ihn so beglückte, so überaus beglückte! Doch plötzlich senken sich die Lider über die jungfrohen Augen und Dauphin bricht zusammen, kugelt auf den Rücken und streckt die vier Beine zum Himmel.

Als er daheim im Stall wieder erwachte, fühlte er sich so von allem Physischen befreit, daß seine Seele wie in Gedankenanflügen sich ergehen konnte. Er, Dauphin, gehörte doch gleich Wallenstein unter die Soldaten, in die Menge, in die körperliche Arbeit, zu den Strapazen! Was ist Kunst, und was ist Wissenschaft, was ist selbst der Kuß einer Königin?

Dauphin hielt die Augen noch geschlossen, aber er sah mit diesen seinen Augen! Er sah Soldaten schiefgebuckelt um Kanonen rennen, sah einen Berg voller Soldaten! Ein Gebirge war statt mit Bäumen mit Soldaten bewachsen, Soldaten sah er aus dem Erdboden aufwachsen; Pferde schoben sich, wo sonst Wasser hinströmte, unendlich hin, und es war ihm, als sähe er Wallenstein neben sich im Straßengraben liegen, Wallenstein, den mächtigsten von allen. Ja wirklich, Wallenstein reckte die vier Beine zum Himmel auf, und aus seiner Stirn, dort, wo Dauphin von der Königin geküßt worden war, floß rotes Blut.

Dauphin hörte deutlich schießen und tat die Augen auf.

Der Direktor stand da bei ihm in dem fremden Stall, der Wärter rieb mit Stroh an seinem Leib herum, der General stand da und die Buben mit den Schulranzen, und der Kleine hatte den Daumen im Mund.

Dauphin sprang auf, nickte, beschnupperte der Buben fröhliche Haarbüschel und wieherte schon wieder vor Freude. Aber dann wurde er vom Wärter fortgeführt, und es ging nicht etwa auf den Exerzierplatz, sondern wieder zurück am blauen Wagen vorbei, durch die Sacktür in den Stall zu den Sieben.

Die Sieben wurden wieder spazieren geführt, und Dauphin blieb daheim. Und Dauphin sah, solange er allein war, nach der Sacktür, ob nicht der General käme, oder der Soldat, oder sonst ein Soldat, und niemand kam. Der Wind wehte an der Sacktür herum, und manchmal sah Dauphin den blauen Wohnwagen stehen.