„Vater”, fing nach einer Weile Trudelchen wieder an, „Vater, wie wird das große R gemacht?”

„Ruhig!” antwortete jetzt die Mutter, „der Vater schläft!”

Da hatte das Kind etwas anderes zu denken ... und schlief ein.

Jenseits vom Wiesentälchen im Birkenschlag sang eine Nachtigall; sie und die Bäuerin wachten in der Nacht, da das Gäulchen zur Welt kam. Als der Bauer des Morgens in den Stall trat, stand das kleine Gäulchen auf den weitgespreizten vier Beinen im Stroh und ließ sich behaglich von seiner Mutter lecken.

Ein Räppchen war's, ganz schwarz, und nur auf seiner Stirn war ein weißer Fleck, allerliebst anzusehen und gar gefällig und kleidsam!

Die Bäuerin holte ihr Mädchen aus dem Bett, die beiden Buben sprangen in ihren Hemdchen hinterdrein, und das Füllen streckte seinen nassen, großen, eckigen Kopf von dem Halse der Mutter weg, den Kindern entgegen, und das Schwesterchen ließ den Daumen im Mäulchen, ließ den Arm um Ihrer Mutter Halse liegen und blinzelte durch die schweren Lider, als sei es recht von dem Ankömmling enttäuscht. Die Buben tätschelten schon an ihm herum, worüber die Pferdemutter sehr erfreut war und ihre Augen aus dem Duster des Morgens leuchten ließ.

Die Mutter nahm des Tierleins Kopf, schob ihn an der Pferdemutter Zitzen, und sogleich begann der kleine Gaulmann wacker zu saugen. Unendlich zärtlich bog die Alte ihren Kopf nach ihrem Jungen herab und zurück, daß die Mähne die Augen verdeckte, leckte, leckte und hob das rechte Hinterbein, daß das Junge recht bequem sein Erdendasein beginne! Dann schob sie den Kopf wieder hochauf, spitzte die Ohren, hälmelte an dem Gras oben in den Raufen und sah wieder zurück, hob mit den schwabbeligen Lippen ein Bündel Heu auf und putzte damit an dem Kleinen. Dieses ließ sich, als es sich vollgesoffen hatte, genau wie die großen Gäule auf die Vorderknie nieder und dann zurückplumpsen ins Stroh, und sogleich legte sich auch die Mutter nebendran und leckte weiter.

Die Bauern der Nachbarschaft kamen am selben Morgen, die Bäuerinnen kamen und auch der Herr Pfarrer kam, den Säugling zu sehen. Er kannte Trudel, die Mutter, sehr gut: sie hatte ihn schon oft übers Gebirg gezogen in die Filialorte, wenn Glatteis war, sie hatte ihn schon oft bei Regenwetter vom Bahnhof des Städtchens abgeholt! Was sollte er sie in ihrem Wochenbett nicht einmal heimsuchen?

Er war ein sehr großer Mann, der Herr Pfarrer, und als er in die Stalltür trat, mußte er sich bücken. Der Bauer, ängstlich besorgt, der Herr Pfarrer könne trotzdem den Kopf an die Oberschwelle stoßen, legte vertraut, wie er mit ihm war, die Hand auf des Herren Schulter und sagte:

„Herr Paschtohr, geben Sie acht, daß Sie Ihren Grind nit anstoßen!”