Die Soldaten erregten Dauphins Teilnahme fast nicht mehr. Ihr Trommelschlag, ihre Marschmusik, ihre bunten Kleider, ihr Feldgeschrei, das sie zwischen den Mauern ausstießen, nichts erregte Dauphins Aufmerksamkeit. In sich gekehrt, tat er seine Pflicht, und die Erinnerung an glanzvolle Tage verblaßte in seiner Seele. Neigung zu Schlaf zeigte sich.

Wenn das Fuhrwerk einmal das Weichbild der Garnison verließ und auf Feldwege kam, begann Dauphin heftig die Luft in die Nasenlöcher zu zerren, der Hals bog sich steil vom Kummet in die Höhe, und es ist wahrscheinlich, daß vor seinem geistigen Auge sich die Bilder seiner frühesten Jugend zeigten, das Glück der Einfachheit im kleinumzirkten Leben hinter den Bergen. Alsdann ging's aber jeweils wieder zur Stadt zurück, in die Kaserne, und die stolze Kurve des Halses sank wieder.

Der Koch der dritten Kompagnie, der es gut mit Dauphin meinte, hielt ihm oft eine Handvoll Kartoffeln unter die Nase, aber Dauphin wollte sich nicht gerne öffentlich mit Kartoffeln füttern lassen und biß nur selten an, wenn er nicht gerade ganz großen Hunger hatte, und oft geschah es, daß der Koch ihm die weichen Kartoffeln in die Nüstern stumpfte. Da schreckte Dauphin wie aus Träumen auf, ließ entsetzt die Kartoffeln fallen und sah den Spatzen zu, die sogleich sich drüber hermachten und zwilchten und zankten, bis alles aufgefressen war.

Auch die Kinder umjubelten Dauphin immer seltener und schließlich gar nicht mehr. Ja, es kam so weit, daß sie, wenn sie ihn bei seinem Balthasar sahen, zu rufen begannen:

„E Zigga! e Zigga!” als ob dieser Laut Dauphins neuer Name gewesen wäre, Dauphins Soldatenname!


XV

Einmal aber geschah dies: Dauphin trottelte so auf dem Pflaster hin durch den Schatten und hört plötzlich seinen wirklichen Namen rufen:

„Dauphin!”