„Und wenn du ihn verkaufen solltest: nicht unter tausend Mark, und diese tausend Mark für mich auf die Kasse!”
„Versteht sich! Futtergeld abgerechnet!”
„Versteht sich!” erwiderte Sigmund und führte sein Gäulchen in den Stall des Vaters. Ein altes, ausgemergeltes Kühlein drehte gar freundlich den Kopf nach Emma und schien ihn nicht mehr wegwenden zu wollen! Sigmund fing an zu putzen und striegelte Emma blitzblank. Diese schüttelte sich einmal der ganzen Länge nach vom Halse bis zum Schweif und schien über die Maßen beglückt zu sein.
Am nächsten Morgen wurde das Kühlein geholt, und am Abend kamen zwei Kälber in den Stall. Emma, die den ganzen Tag über mit den Kindern und mit allen Kindern des Dorfes auf den herbstlichen Wiesen umhergetollt war, wie sie's seit ihrer Jugend nicht mehr getan, traf am Abend die beiden Milchkälber neben sich und mußte sehen, wie die acht Kinder sich eher mit diesen Neulingen beschäftigten als mit ihr. Denn die Neulinge waren noch so jugendlich, daß sie ihre Milch nicht aus der Schüssel trinken wollten, und daß sie also aus Flaschen mit Gumminapf trinken mußten.
Sie blieben nur eine Nacht im Stall, die Milchkinder, wurden geholt, und Emma war allein. Emma durfte ein Wägelchen ziehen, das kleiner und leichter war als das Kasernenwägelchen. Zum nächsten Dorf gings, an den Bahnhof! Ein Sack Grieß wurde aufgeladen, und diesen Sack zog Emma heim. Es ging am selben Tag nochmals an diesen Bahnhof, und diesmal gab's eine Kiste Zucker und ein Faß Marmelade.
Doch siehe! Ein Militärzug rauschte heran, und Sigmund stellte sich an die Sperre, indes Emma an der Straße stehen mußte. Sogleich waren Kinder um sie her. Aber die Kinder blieben nicht lange bei ihr, denn die Straße her kamen etwa zwanzig Soldaten zu vieren im Gleichschritt mit fliegenden Mänteln und pfiffen. Als sie an dem Wägelchen vorüberschritten, löste sich einer aus dem Glied, blieb einen Augenblick stehen und stürzte sich dann mit weitgeöffneten Armen auf das Gäulchen und schrie:
„Riesele! Riesele!”
Die Kameraden hörten auf zu pfeifen, der Trupp verwirrte auseinander, und der eine Soldat rief unausgesetzt:
„Freut euch mit mir, ich habe mein Riesele wiedergefunden, das verloren war!”
Alle umstellten sie Riesele, alle grinsten vor fröhlichem Lachen, alle legten die schweren Hände auf Rieseles Rücken! Etliche spannten schon aus, das Kummet flog auf das Marmeladenfaß, und jetzt erst kam Sigmund und schrie und tobte: