„Mein Gäulchen, mein Gäulchen! Tausend Mark ist es wert unter Brüdern!”

„Die Revolution hebt auch den Hilfsdienst auf, Gustav,” sagte ein Feldwebel, „du nimmst dein Riesele mit heim, wohin es gehört!”

„Tausend Mark! Tausend Mark!” schrie Sigmund.

Gustav zog seinen Geldbeutel, leerte ihn in die Hand und zählte; er hatte noch vierundzwanzig Mark und siebenzig Pfennige.

„Hier hast du die Barschaft eines geschlagenen Soldaten!”

Sigmund weinte heftig; Kinder kamen hinzu und viele Erwachsene, und niemand hatte gegen das Wort des Soldaten etwas einzuwenden. Die Soldaten aber zogen alle ihre Geldbeutel, und jeder gab dem Sigmund noch einen Markschein, so daß dieser die Lippen vorwulstete, das Geld einsteckte und sich getrost vor sein Wägelchen spannte und schließlich zu schmunzeln begann.

Riesele aber zog mit. Es hatte den Handel still über sich ergehen lassen und wohl dem alten, längst vergessenen, trauten Laute sich hingegeben, ohne der süßen Dinge gedenken zu können, die sich an diesen Namen hefteten. Da es ausgeschirrt wurde, mochten zudem allerlei zukunftsfrohe Bilder das verträumte Herz beschlichen haben, das auch ohne Künstlerschaft stets zu einem Abenteuer bereit war! Der alte Name Riesele aber brauchte nicht lange in dem zerquälten Kinderherzen umherzuirren, bis er sich selber wiederfand, denn die Jugend ist alleweil der ewige Nährboden der Seele.

Der Soldatentrupp nahm Riesele in seine Mitte und schob sich weiter die Landstraße hin. Man sang, man pfiff; einer trommelte geräuschvoll ins Land hinein, und Riesele trappte inmitten einer Herrlichkeit, die es noch nicht durchkostet hatte. In den Dörfern kamen Kinder, ritten eine Strecke auf Rieseles Rücken und liefen wieder zurück. Junge Mädchen kamen, hingen sich den Soldaten in die Arme, ließen sich küssen und lachten und sangen mit, hell, wie Kinder singen, und ihre Stimmen drangen Riesele ins Herz, als gehörten sie dorthin!

Keines ging, ohne Riesele gestreichelt zu haben, und viele schenkten ihm etwas: ein Stück Zucker, einen Bissen Brot, eine Handvoll Gras, das sie in der Eile neben an den Wiesen abrissen! Eines dieser Mädchen, das besonders übermütig sein mochte, ließ sich sogar auf Rieseles Rücken heben, als wär es selber noch ein Kind und ritt so eine gute Strecke mit.

Ehrenpforten taten sich auf, da der Trupp weiter ins Land kam, schwarz gekleidete Bürgermeister standen auf Balkonen und sprachen Gedichte von Schiller, und Riesele nahm alles ruhig und ernst entgegen. Rote Bänder flatterten wieder an seinen Schläfen, und der Hals reckte sich, und die Ohren spitzten fast so hoch als die der Soldaten.