An einem Fluß hing seine Hütte halb im Wasser; sein Feld erstreckte sich den Wald entlang, seine Frauen und seine Kinder wuschelten im Schilfrohr und nahmen den Kiebitzen und den Enten die Eier aus den Nestern und stachen die Fische aus dem Wasser. Mühsam, ja, mühsam warfen sie die Schollen der Erde um, daß neues Korn um so besser wachsen konnte, und sie sahen die starken Pferde in göttlicher Freiheit auf den Wiesen umhertollen und kamen, gedankenreich, wie sie sind, darauf, diese Pferde einzufangen und vor die rohe Pflugschar zu spannen. Mit einem großen Seil mußten sie das erste Pferd eingefangen haben. Es ward an den Pfahl gebunden, es ward mit Rindshautriemen gezügelt, alsdann zog es mit Leichtigkeit den Pflug! Zur Regenzeit stand es unter einem Dach, zur Winterszeit in einem warmen Stall. Gab es dem Menschen seine Kraft, so erhielt es dafür ein reichliches Futter und brauchte besonders im kalten Winter nicht das spärliche Gras aus dem Schnee zu scharren.

Durch ein Loch in der Lehmwand seines Stalles sah es seine Kameraden draußen in der Kälte des Winters nach dem spärlichen Grase scharren, indeß es selber seine warme Suppe nicht ganz verzehren konnte. Da kam sein Herr herein, sattelte es, nahm das lange Seil, schwang sich auf des Pferdes Rücken, und nun galoppierten die zwei keck den vielen Kameraden entgegen, mitten in sie hinein, der Mensch schleuderte das Seil und fing sich ein zweites Pferd, das mit heim in den warmen Stall gehen mußte.

Möglich, Riesele, daß noch andere Pferde nachkamen, freiwillig ihrer Freiheit sich begaben für das bißchen Wärme, für das bißchen Futter!

Wie gesagt, Riesele, Freiheit tauschten sie für die Bedürfnisse des Bauches und für die Bequemlichkeit! Ich für mein Teil und du nicht minder, Riesele, wir wären nicht in die Falle gegangen, wir wären draußen geblieben, denn auch der garstige Winter ist schön, wie alle Natur in jeglichem Zustand schön ist, wie jeder Mensch, der sich natürlich gibt, und das Herz, das hier nicht recht Bescheid weiß, lebt nur halb und weiß nicht, was vollkommene Freude ist!

Die Menschen haben die Verbindung verloren mit der großen Natur allhin gleich dem Wasser der Pfütze, das steht, stockt, stinkt und nicht zum Meere kann und des Meeres Pulsschlag verloren hat.

Gut, gut, Riesele: das Geschöpf ist in sich gut und will seinem Mitgeschöpf behilflich sein! Aber der Mensch unterjochte die Tiere, erfand die Peitsche, rottete viele gänzlich aus und machte auch den Mitmenschen sich zum Haustier. Das ist die Wurzel alles Elends in der Welt! Die Freiheit wurde ausgerottet, und was da übrig blieb, — der Pastor hat recht! — das ist reif für den Schürhaken der Hölle!

Wer spielt die größte Rolle in diesem Menschengezücht? Wer? Der Bauch! Ha, sie haben so viele Erfindungen gemacht, sie haben sich mit Leib und Seele der Chemie verschrieben und von der Natur entfernt: wenn die Chemie doch wenigstens ein Kernchen Radium zu präparieren verstünde für den Bauch, für den Magen, für den absoluten Souverän der Menschen, daß ein ganzes Geschlecht davon seine Kräfte beziehen könnte, der Freiheit zu fröhnen und der Minne! Ha, sie überfressen sich und sagen: das ist unmenschlich und tierisch! Sie wollen das Tier im Menschen überwinden, hörst du's, Riesele! sie wollen das Tier im Menschen überwinden und wissen nicht einmal mehr, daß das Tier keusch ist! Diese raffinierten Bösewichter des Weltkriegs wissen überhaupt nichts mehr vom Guten! Wer könnte uns erlösen? Wollen wir's einmal mit dem Gotte in unserer Brust versuchen, der von uns verlangt, daß wir in Minne das Gute tun und sonst gar nichts? Wollen wir's versuchen? Wir zwei, wir wollen uns freiwillig der Gemeinschaft verschreiben und sie erlösen helfen, wenn dies möglich ist! Wir wollen die Verirrten lieben, weil wir Mitleid mit ihnen haben, die Hungrigen speisen, die Kranken besuchen, die Gefangenen erlösen, o Gott, o Gott, Riesele: lieben wollen wir, lieben! Wir wollen helfen, glücklich machen, wir wollen uns freiwillig in Minne unserer Freiheit begeben, Riesele, Apostel der Freiheit werden, daß Gott für unsere armen Mitmenschen in uns wirksam werde!”

Es schlug zwölf, als Cornel seine lange Rede beendet hatte, Schüsse krachten im Tal umher, das Geknall vorlauter Feuerfrösche hüpfte zwischen den Revolverschlägen umher, und junge Stimmen riefen das neue Jahr ein, das wie jedes seiner Vorgänger den Menschen das Glück und reichen Segen bringen sollte ...