Wir lassen hier die Namen der vier, von ihm von 1861 bis 1881, seinem Todesjahre, redigierten Zeitschriften folgen: die „Wremja“ wurde, wie oben gesagt, im Jahre 1861 gegründet und erschien vom Januar dieses Jahres bis inkl. April 1863. Auf die Ursachen der Auflösung dieses Redaktions-Verbandes werden wir sofort zu sprechen kommen. In dieser Monatsschrift erschienen, wie schon erwähnt, als Feuilleton-Roman „Die Erniedrigten und Beleidigten“, ferner eine Reihe von Artikeln über Kunst, wovon wir oben sprachen. Zu Anfang des Jahres 1864 wurde die Arbeit wieder aufgenommen mit einer Ankündigung, die wir weiter unten zu bringen uns ebenfalls nicht versagen können. Diese Monatsschrift erschien auch nur kurze Zeit, d. h. bis inkl. Februar 1865. Zwischen 1865 und 1872 fällt ein langer Aufenthalt in Deutschland und Italien, der Tod des Bruders, Schuldenlast, böse Zeiten überhaupt, über die uns manche seiner Briefe betrübenden Aufschluss geben. Im Jahre 1873 endlich übernimmt Dostojewsky die Redaktion des vom Fürsten Meschtschersky gegründeten „Grashdanin“, dessen Feuilleton er zumeist selbst unter dem Titel „Tagebuch eines Schriftstellers“ besorgt. Später, im Jahre 1876, gründet er neben dem Grashdanin eine selbständige Monatsschrift unter dem gleichen Titel „Tagebuch eines Schriftstellers“, die zwei volle Jahrgänge 1876 und 1877 durchlaufen hat, wovon aber, offenbar aus Mangel an Subskribenten und Geld, später nur im August 1880 und im Januar 1881 unmittelbar nach des Dichters Tode je eine Nummer erschien. In der Gesamtausgabe seiner Werke sind die Aufsätze aus dem Grashdanin vom Jahre 1873, sowie die Jahrgänge von 1876 und 1877 in drei Bänden erschienen, wobei im letzten auch die zwei Nummern aus den Jahren 1880 und 1881 Aufnahme gefunden haben. Der Erfolg der neuen Monatsschrift scheint gleich anfangs ein sehr grosser gewesen zu sein. Sie hatte im ersten Jahre 2300, im zweiten Jahre 4302 Abonnenten. Dieser Erfolg dürfte dem Umstand zuzuschreiben sein, dass so vortreffliche Kräfte wie Njekrassow, Ostrowsky, Schtschedrin ausser Grigorjew, Strachow und den Brüdern Dostojewsky an der Arbeit teilnahmen.
Indessen scheint doch das Hauptgewicht auf der Belletristik geruht zu haben und Theodor Michailowitschs Bestrebungen im eigentlichen Bereich seiner volklich-religiösen Mission entweder nicht genug betont, oder vom Publikum nicht genug herausgefühlt und von den Slavophilen reinsten Wassers nicht anerkannt worden zu sein; sonst hätte unmöglich jenes Missverständnis entstehen können, das schliesslich zum Verbot der Monatsschrift und zu jenen Streitschriften führte, als deren eine ein Brief J. S. Aksakows zu bezeichnend ist, um nicht im weiteren Verlauf unserer Aufzeichnungen Platz zu finden. Die ganze Sache, welche so wichtige Folgen für das Blatt und die Verhältnisse der Brüder Dostojewsky haben sollte, entstand durch einen Artikel N. Strachows über den polnischen Aufstand zu Beginn des Jahres 1863. Wir müssen hier einiges über die ehrliche und freundschaftliche Beziehung vorausschicken, welche Dostojewsky mit Strachow verband und später das volle Eintreten des Dichters für Strachows Arbeit zur Folge hatte, trotzdem er gleich anfangs eine gewisse litterarische Unzufriedenheit über dessen Abstraktheit und Unverständlichkeit dem Autor gegenüber angedeutet hatte. Was Strachow über ihre Beziehungen sagt ist bezeichnend: „Unsere damalige Freundschaft“ — sagt er (Materialien p. 224) — „war, obwohl sie vornehmlich einen intellektuellen Charakter hatte, damals doch eine sehr enge. Das Einander-Nahestehen der Menschen hängt von ihrer beiderseitigen Natur ab und überschreitet auch bei den günstigsten Bedingungen nicht ein gewisses Mass. Jeder von uns zieht gleichsam eine Kreislinie um sich herum, über die hinweg er niemanden zulässt, oder besser gesagt, niemanden zulassen kann. So fand unsere Annäherung ein Hindernis in unseren beiderseitigen seelischen Eigenschaften, wobei ich mir durchaus nicht den geringsten Teil dieses Hindernisses zusprechen will. Über Theodor Michailowitsch kamen manchmal Augenblicke des Misstrauens, dann sagte er argwöhnisch: „Strachow hat niemand, mit dem er reden könnte, darum hält er sich an mich.“ Diese vorübergehenden Zweifel bezeugen nur, wie fest wir im allgemeinen auf unser gegenseitiges Verhältnis vertrauten. Wenn Theodor Michailowitsch einen Anfall von Epilepsie hatte, befand er sich, wieder zur Besinnung gekommen, in einem unerträglichen seelischen Zustande. Alles reizte und schreckte ihn, und er litt unter der Gegenwart der allernächsten Freunde. Dann pflegten sein Bruder oder seine Gattin nach mir zu schicken — in meiner Gesellschaft wurde ihm leichter, und so er erholte sich nach und nach.“ „Indem ich mich daran erinnere“ — fährt Strachow fort — „so erneuere ich in meinem Gedächtnisse einige meiner besten Empfindungen und denke, dass ich damals ein besserer Mensch war, als heute.“
Im Juni 1862 jedoch, ehe noch die Dinge Gestalt annahmen, welche dem Blatte ein jähes Ende bereiten sollten, konnte Theodor Michailowitsch, dem die Ärzte eine Reise ins Ausland wiederholt anrieten, das Redaktions-Bureau für einige Zeit verlassen. So finden wir ihn auf einem Ausfluge nach Paris, London, abermals Paris, Köln, Düsseldorf, Mainz, Basel und Genf, wo er mit Strachow zusammentrifft. Von dort gingen sie gemeinsam nach Luzern, dann über den Mont-Cenis nach Turin und Genua, wo sie sich nach Livorno einschifften, um dann mittels Eisenbahn nach Florenz zu gelangen. Spuren dieser ersten Reise finden wir nur in einem Briefe an Strachow, wo der Dichter in heller Begeisterung für das Bevorstehende dem Freunde zuredet, sich ihm anzuschliessen, ferner in den Aufzeichnungen Strachows und in einem Aufsatze des Dichters, worin er seiner Galle über Paris und die Franzosen Luft macht und der unter dem Titel: „Winterliche Betrachtungen über sommerliche Eindrücke“ im dritten Bande seiner Gesamtwerke enthalten ist. In jenem Briefe drückt sich der Dichter, er, dessen Kenntnis europäischer Litteratur fast ausschliesslich aus französischen Quellen geschöpft war, der begeisterte Verehrer Balzacs und Jünger der George Sand, über die Franzosen in natura folgendermassen aus: „Der Franzose ist still, ehrenhaft, höflich, aber falsch; und das Geld ist bei ihm alles.“ (In gallig-humoristischer Weise finden wir diese Beobachtung im oben erwähnten Aufsatz illustriert und müssen dabei der Romane Balzacs, dieses umfassenden Genies und tiefen Menschenkenners denken, wo die Tugend zuletzt doch zu ihren 40-50000 Frs. Rente kommt.) „Ideale keine. Nicht nur Überzeugungen, sondern Überlegung darf man gar nicht verlangen. Das Niveau der allgemeinen Bildung ist äusserst niedrig. (Ich spreche hier nicht von den beeideten Gelehrten. Aber auch diese sind nicht zahlreich, und übrigens ist dann Gelehrtheit auch Bildung in dem Sinne, wie wir gewohnt sind, dieses Wort zu verstehen?)“ — Weiter fährt er fort: „Noch eins, mein Täubchen Nikolaj; Sie glauben nicht, wie hier die Seele von Einsamkeit erfasst wird! Ein schweres, beängstigendes Gefühl.“ — „Freilich — fährt er fort — war mir im Auslande bis heute alles ungünstig; schlechtes Wetter und das, dass ich noch immer im Norden Europas herumkugelte und von den Wundern der Natur erst den Rhein gesehen habe. (Nikolaj Nikolajewitsch, das ist wirklich ein Wunder!) Was dann weiter sein wird, wenn ich von den Alpen in die Ebene Italiens niedersteige? — Ach! wären wir doch beisammen! Wir sehen Neapel, spazieren in Rom herum — liebkosen gar eine junge Venetianerin in der Gondel (He? Nikolaj Nikolajewitsch?). Aber .... „nichts, nichts und Schweigen“, wie im gleichen Fall Poprischtschin sagt.“
Was Strachow über jene Reise Dostojewskys sagt, welcher er sich von Genf aus angeschlossen, ist nicht sehr viel. Er erwähnt Dostojewskys Zusammenkunft mit Herzen in London, worüber der Dichter selbst im Feuilleton des Grashdanin vom Jahre 1873 erzählt, und er meint, dieser habe sich Herzen gegenüber sehr „weich“ verhalten, so dass die „winterlichen Betrachtungen“ ein wenig unter dem Zeichen dieses Einflusses ständen. Später aber, in den folgenden Jahren, habe Dostojewsky oft seinen Unwillen darüber geäussert, dass Herzen nicht imstande sei, den Geist des russischen Volkes zu begreifen und die Merkmale seines eigensten Wesens zu würdigen. „Der Aufklärungshochmut, die verachtende Geringschätzung Herzens empörten Dostojewsky, der sie sogar in Gribojedow, dem Verfasser des Stückes: „Wehe dem Gescheidten“, gerade so verurteilte, wie in unseren Revolutionären und kleinlichen Denunzianten.“ Was Strachow über ihr Zusammensein in Italien erzählt, bestätigt nur, was wir aus des Dichters späteren Dresdener Briefen erfahren, nämlich, dass er nicht nur die gewöhnliche, „offizielle Art, verschiedene merkwürdige Punkte mit einem Führer zu besichtigen, verachtete,“ sondern sich überhaupt weder um die Natur noch um die Kunstschätze eines Ortes kümmerte, sondern immer nur dahin ging, wo es am lebhaftesten war und möglichst viele Menschen aller Kategorien und Klassen zu finden waren. Sie waren einmal zusammen in die Uffizien gegangen; da sie aber nicht nach einem ausgearbeiteten Plan vorgingen, der sie schnell zu den Meisterwerken geführt hätte, so war Theodor Michailowitsch schon sehr bald so gelangweilt, dass sie wieder fort gingen, ohne bis zur medicäischen Venus gelangt zu sein. Dafür waren ihre Spaziergänge in volkreichen Teilen der Stadt und ihrer Umgebung, obwohl sie auch hier nicht bis zu den Cascinen kamen, sehr erfreulich, sowie ihre Nachtgespräche bei einem Glase roten Nostranos.
Der so folgenschwere Artikel nun, welchen Strachow anfangs des Jahres 1863 im „Wremja“ veröffentlichte, erschien unter dem Titel „Eine verhängnisvolle Frage“ und behandelte den polnischen Aufstand, ein Ereignis, über welches die Meinungen noch nicht geklärt, die Parteinahme jedoch schon aufgeregt und die Stimmung sehr gespannt war, ohne dass irgend ein Blatt noch das Wort darüber ergriffen hätte. Es waren allerdings schon vor dem Aufstande Stimmen darüber laut geworden, dass Russland Polen eingenommen habe, wie eine schädliche Medizin, und es wohl am ratsamsten wäre, diese wieder von sich zu geben. Allein seit Beginn des Aufstandes schwieg Alles. In diese Spannung hinein kam Strachows Artikel, der unglücklicherweise so abstrakt gehalten war, dass er von allen Parteien missverstanden wurde. Die Slavophilen verstanden ihn als einen Abfall von der russischen Sache des Volkes; die Regierung in ihrem Fühlorgan der Zensur sah eine Parteinahme für die Polen gegen die Obrigkeit darin, und das Schlimmste war, wie Strachow sagt, dass die Polen und ihre Parteigänger ihn von nun an zu den Ihren zählten, den Artikel abdruckten, sowie ihn auch die Revue des deux mondes brachte: das Missverständnis lag darin, dass Strachow die ältere Kultur der Polen hervorhob, die sie über das urwüchsige russische Volkstum hinwegsehen und hinwegstreben mache. Dass aber diese Kultur eine ewig edelmännische, volksfeindliche gewesen sei und es bleiben werde und müsse, hatte der Autor so theoretisch und objektiv hingestellt, dass nur die wenigsten es verstanden, den schweren Anwurf gegen die Polen zu finden, der darin lag, und die tiefe Kluft zu sehen, die für immer unüberbrückbar zwischen diesem Volke ritterlicher Vergangenheit und jenem gähnt, dessen ganze Entwickelung auf den Elementen des Volkslebens sich langsam aufbaut.
In seiner Erläuterung jenes Artikels sagt Strachow unter anderem: „Der polnische Aristokratismus ist an und für sich sowohl, als auch im Verhältnis zu den russischen Provinzen für jeden Russen etwas Widerwärtiges. Ja, er ist es, der mehr als alles andere Polen zu Grunde gerichtet hat. Indessen hatte sich dieser Aristokratismus entwickelt und erhält sich noch heute durch eine alte Aneignung europäischer Kultur. Daraus geht hervor, dass das Böse auch in einer so guten Sache enthalten sein kann, wie die Aufklärung eine ist, dass es manchmal besser ist, in der Kultur zurückzubleiben, aber seine seelische Gesundheit zu bewahren und nicht in jenen hoffnungslosen Zerfall von Bestrebungen und Gefühlen zu geraten, in welchem sich die Polen befinden. In diesem Sinne hatte ich meinen Artikel „Eine verhängnisvolle Frage“ betitelt. Ich war bereit gradaus zu sagen, dass für die Polen keine Rettung mehr möglich sei, dass die Geschichte sie zum Untergang verurteilt habe.
Das war, ich wiederhole es, allzu abstrakt, unklar ausgedrückt, es stimmte nicht zu den geläufigen Anschauungen und wurde verkehrt aufgefasst.“
Dostojewsky war gleich mit diesem Artikel nicht sehr zufrieden gewesen, was Strachow anfangs verletzte. Als aber in der Folge das Blatt von allen Seiten angefeindet und endlich auch durch die Zensur verboten wurde, da war es Dostojewsky, welcher in einer heftigen, sehr persönlichen Replik gegen die „Moskauer Wjedomosti“ dafür eintrat. Er sagte unter anderem: „Ja, was haben wir denn die ganzen drei Jahre her in unserer Zeitschrift gepredigt? Eben dies, dass unsere (heutige russische) von Europa entlehnte Zivilisation auf jenen Punkten, wo sie mit dem breiten russischen Geiste nicht zusammentrifft, dem russischen Volke nicht passt; dass dies heisst, einen Erwachsenen in ein Kindergewand zwängen, endlich, dass wir unsere Elemente, unsere Grundlagen, unsere nationalen Grundlagen haben, welche Selbständigkeit und Selbstentwickelung verlangen; dass die russische Erde ihr neues Wort sagen wird und dieses neue Wort vielleicht einmal das neue Wort der allgemein menschlichen Zivilisation sein und die Zivilisation der ganzen slavischen Welt in sich zum Ausdruck bringen wird. In den Elementen unserer nationalen Zivilisation haben wir immer die Merkmale der Scholle sehen können, während in jener Europas die Merkmale des Aristokratismus und Exklusivismus zu sehen sind. Ja, noch mehr, wir gestehen, dass wir, d. h. alle auf europäische Art zivilisierte Menschen, uns von unserem Boden losgerissen, alles russische Empfinden verloren haben, so sehr, dass wir an unsere eigene russische Kraft, an unsere Eigenart nicht glauben und uns wie Sklaven vor der Peterschen Holländerei in den Staub niederwerfen, über das Wort „nationale Grundlagen“ lachen und es als einen Rückschritt, einen Mystizismus betrachten.“ „So haben wir denn in unserem Artikel auf das hingewiesen — was Sie (der Gegner) auch im Traum nicht wagen würden — auf das, was auch der Kaiser Alexander der Erste ernst und aufrichtig achtete, welcher eben aus Achtung für die polnische Zivilisation den Polen höhere Einrichtungen gab, als den Russen, die er kulturell bedeutend tiefer stehend erachtete, als jene ...“
Dieser Ausfall Dostojewskys war seinen Anschauungen und Bestrebungen vollkommen entsprechend, jedoch, wie es scheint, war er blind für das, was das Blatt thatsächlich an politisch-nationaler Mission in diesen drei Jahren mochte ins Werk gesetzt haben. Strachow selbst sagt, der belletristische Teil sei bedeutend reicher und vorzüglicher gewesen, als der politische, der eigentlich noch nicht in dem Fahrwasser gewesen sein muss, wie wir es bei den später von Dostojewsky redigierten Zeitschriften sehen. Auch ist dies in dem heftigen Ausfall bestätigt, den der Vollblut-Russophile J. S. Aksakow auf Strachow machte und welchen dieser in kurzem Auszuge bringt: Aksakow schreibt 6. Juli 1863: „... Sie berufen sich vergebens auf die „Richtung“ der „Wremja“. Obgleich sie fortwährend darüber schrie, dass sie eine Richtung habe, hat das doch niemand beachtet. Ihre Zeitschrift hat die Bedeutung eines guten belletristischen Journals gehabt, das reiner und ehrenhafter war als andere, aber ihre Prätensionen waren allen lächerlich. Dort konnten gute Artikel untergebracht werden und sie waren es auch ..., allein dies alles hat der „Wremja“ keinerlei Farbe, keinerlei Kraft gegeben. Es gebrach ihr an höheren sittlichen Grundlagen, an einer Ehrenhaftigkeit höherer Ordnung. Sie hat die Unverschämtheit gehabt, in ihrem Programm auszusprechen, dass sie das erste Journal gewesen sei, das in der russischen Litteratur die Existenz eines russischen Volkstums entdeckt und proklamiert habe! Es giebt keinen so grossen Feind des Slavophilentums, den dies nicht empören würde. Und dann die naive Verkündigung, dass das Slavophilentum eine überlebte Sache sei und der Weg zum Leben, das neue Wort, jetzt bei der „Wremja“ zu finden sei! Die Slavophilen können alle, bis auf den letzten, sterben, dennoch wird die von ihnen eingeschlagene Richtung nicht zu Grunde gehen — und damit verstehe ich diese Richtung in all ihrer Strenge und Unerbittlichkeit, nicht für den Geschmack des cancanierenden Petersburger Publikums zugerichtet. — Dieses Buhlen um die Gunst des Publikums, dieser Wunsch, den Unseren und den Eueren zu dienen, dieses Von-oben-herab- und verächtliche Traktieren der Slavophilen im ersten Programm der „Wremja“, das ist’s, was dieses Journal in der öffentlichen Meinung zu Falle gebracht hat, während wir Slavophilen, wie Sie wissen, nirgends, nicht mit einem einzigen Worte an die „Wremja“ gerührt haben, weil unsere Überzeugungen eben keine Frage persönlicher Eigenliebe sind .... Übrigens kann in Petersburg gar keine Zeitschrift volkstümlicher Richtung herausgegeben werden, denn die erste Bedingung, um das gebundene Volksgefühl in uns freizumachen, die ist — Petersburg zu hassen mit unserer ganzen Seele und allen unseren Kräften. Ja, man kann sich überhaupt nicht zum christlichen Glauben bekennen (und das Slavophilentum ist nichts anderes als eine höhere Verkündigung des Christentums), ohne sich vom Satan loszumachen, loszusagen und loszuspucken[21].“
Strachow bringt diesen zornsprühenden Brief hauptsächlich darum, weil einige darin befindliche Worte der Anerkennung über die Zeitschrift sich doppelt vorteilhaft von dem Zorn-Hintergrunde des Schreibens abheben. Eine weitere Erläuterung knüpft er an den Vorwurf der Petersburgerei und verwahrt sich dagegen, da weder er noch die Brüder Dostojewsky, noch einer der anderen Mitarbeiter Petersburger seien, sondern echte Moskowiten, in denen ein langer Aufenthalt in Petersburg gerade ein starkes Heimweh nach dem Moskauer Boden, sowie Abneigung gegen das kosmopolitische Leben der Hauptstadt geweckt hatte.